„Spielmaterial" für eine neue Licht- und Bühnenwelt

Ob Samstagabend-Show oder Nachrichten, Sportschau oder Talkrunde – LED-Technik ist aus dem Fernsehen nicht mehr wegzudenken und verändert nicht nur die Beleuchtung von Grund auf: LED-Wände und -Leuchtstreifen bieten auch ganz neue Möglichkeiten, ein Set zu gestalten.

Was bedeutet das für Gewerke wie Licht- und Bühnentechnik? „Es ist so, als hätte ich früher nur die Farben gelb, rot und blau gehabt, mit denen ich eine Leinwand bemalen kann“, erklärt Thomas Beuthner, Trainer der ARD.ZDF medienakademie. „Mit LED stehen mir nun plötzlich unzählige Farbvarianten zur Verfügung, mit denen ich nicht nur die Leinwand farblich gestalten kann, sondern auch eine geschwungene Form, eine Bühnenwand oder eine überdimensionale Hintergrundfläche. Das ist für viele Neuland und die Erfahrung, was man damit machen kann, ist noch nicht so ausgeprägt.“

Gelegenheit, sich auszuprobieren

In den Rundfunkanstalten bleibt oft wenig Zeit, sich mit der neuen Technik auseinanderzusetzen, denn die entsprechenden Geräte sind meist im Sendungsbetrieb fest eingebunden – es soll schließlich Programm produziert werden. Anders ist das in der Medienakademie: „Bei uns ist diese Technik ausschließlich für die Trainings reserviert“, sagt Beuthner. „Und wir vermitteln nicht nur das theoretische Hintergrundwissen, sondern trainieren im praxisnahen Studioumfeld typische Aufgabenstellungen. Von diesem geführten praktischen Erleben, Ausprobieren und Bewerten profitieren die Teilnehmenden dann wieder bei ihrer täglichen Arbeit im Sender.“

Komplette Sendungsabläufe trainieren

In der Medienakademie ist das Thema LED-Technik schon lange etabliert – neu ist, dass jetzt mit hauseigenen Geräten geübt wird, die passgenau in die vorhandene Studioumgebung integriert sind. So können die Seminarteilnehmenden einen kompletten Sendungsablauf mit Moderation vor der Kamera, Interviewsituationen oder einer künstlerischen Darbietung umsetzen.

Hochwertige Ausstattung

Die Kernelemente unserer Planungen waren die Komponenten Ansteuerung/Programmierung, Bereitstellung von Content und Abspielmedien für die Darstellung“, erklärt Thomas Beuthner. Zu den Neuanschaffungen im Fernsehstudio 2 gehören ein Lichtpult Grand MA Serie 2, ein Medienserver VPU, drei LED-Module und fünf Metallrahmen mit Noppenblechen, die mit LED-Streifen von Schnickschnack Systems bestückt sind.

Grenzen zwischen den Gewerken verschwimmen

Ein wichtiger Impuls- und Ideengeber für die Investition war Birger Bustorff, lichtsetzender Kameramann beim SWR und langjähriger Trainer zum Beispiel im Seminar „Gestalten mit Licht – Studio“. Ihm ist nicht nur wichtig, dass die Technik auf dem aktuellsten Stand ist. Er will die Teilnehmenden auch dafür sensibilisieren, dass die Veränderungen im Licht- und Setdesign gravierende Auswirkungen auf die Zusammenarbeit der einzelnen Gewerke haben. Denn wenn die Bühne zunehmend durch Licht gestaltet wird, verschwimmen die Grenzen zwischen Licht- und Setdesign. Und weil über die LED-Wände Bilder und Filme präsentiert werden, müssen sich auch die Programmverantwortlichen mit der neuen Technik auseinandersetzen.

Übergreifende Trainings geplant

Zurzeit richten sich die Trainings vor allem an Mitarbeiter/innen aus der Produktion und Technik, doch übergreifende Seminare sind in der Vorbereitung. „Wir wollen die Schnittmengen der Gewerke trainieren und Prozesse in den Griff kriegen. Dazu haben wir in der ARD.ZDF medienakademie gutes Spielmaterial an der Hand, mit dem man zum Beispiel ein Set mit ganz verschiedenen Wirkungen und Atmosphären bauen kann“, sagt Bustorff.

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