Emanzipation 4.0? Die Fiktion ist schneller als die Realität

In der aktuellen Gender-Debatte (Besetzung von Parteiämtern, Dax-Vorständen, Pro Quote etc.) wird das Thema meist in Quantitäten gemessen. Dafür gibt es gewichtige Gründe. In der Fiktion jedoch, geht es eher um qualitative Unterschiede… Vor allem in TV-Serien ändern sich die Geschlechterrollen derzeit rasant. Diese Veränderung geht vor allem von den "neuen Heldinnen" aus. Nur ein Beispiel:

Frau auf Dach
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Der Tatort geht voran

Nach dem Abschied von Kommissar Kopper (SWR, Tatort) wird voraussichtlich eine junge Fallanalytikerin seine Nachfolge antreten. In Ludwigshafen ermittelt dann neben Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) eine zweite Frau. Ob die männliche Hauptrolle nachbesetzt wird, ist fraglich. Doch nicht nur im Bereich von TV-Krimis und Detektivserien haben sich Frauenfiguren durchgesetzt – und zwar nicht nur als Opfer oder bildschöne Leichen.

Der Trend kam aus den USA, Skandinavien oder Großbritannien: Captain Janeway in "Startrek", Detective Dani Reese in "Life", Claire Underwood in "House of Cards", Alex in "Nikita" oder die schwedische Reporterin Annika Bengtzon – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Weibliche Charaktere nicht mehr nur Stereotype

Teil der Entwicklung ist es, dass weibliche Figuren in der Fiktion nicht mehr nur holzschnittartig als Mutterherz oder bärbeißige Karrieristin gezeichnet werden. Die Charaktere sind komplexer und ambivalenter geworden. Die "neuen Heldinnen" des TV-Screens dürfen ihre Bedürfnisse und Nöte hemmungslos ausleben und sich oftmals mehr erlauben als ihre Geschlechtsgenossinnen in der Realität. Recht, Moral, Anpassung, soziale Verpflichtung – diese Kategorien werden in erfolgreichen TV-Serien gerade neu definiert.

Das Seminar zum Trend

Im Seminar "Neue Heldinnen" wird die Funktionsweise dieser fiktionalen Frauenfiguren international verglichen: Ist die klassische Heldenreise – das symbolische Töten des Drachens – noch aktuell oder gehen die "neuen Heldinnen" gerade weg davon, um zu überleben? Hat die, bei uns so beliebte "starke Frau" Ähnlichkeiten mit ihren Kolleginnen in UK, Frankreich, Skandinavien oder USA? Das Seminar analysiert diese und andere Fragen des fiktionalen Storytellings anhand der Genres Crime, Drama und Comedy.