Frühwarnsystem Journalismus im Wahljahr 2017

Im Superwahljahr ist journalistische Einordnung besonders gefragt. Dabei helfen ein offener Blick auf die Gesellschaft und belastbares handwerkliches Rüstzeug.

Wahljahr 2017
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Populismus und virtuelle Resonanzkörper

"Eine Niederlage des Journalismus" überschreibt die "Wirtschaftswoche" einen Artikel, als Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde und analysiert darin, dass sich in den westlichen Gesellschaften ein Graben aufgetan habe und die große Mehrheit der Journalisten auf derselben Seite stehe – da wo auch die politischen Eliten stünden. Ähnliche Phänomene gab und gibt es auch bei uns, denn der Stimmen- und Bedeutungszuwachs von Populisten hat die politische Tektonik verschoben. Nicht selten stehen wir Journalisten erstaunt daneben.

Der Journalismus als Frühwarnsystem der Gesellschaft scheint an Leistungskraft zu verlieren bei gleichzeitig zunehmender Bedeutung der virtuellen Welt als Resonanzkörper und Verstärker, auch und gerade von politischen Scharfmachern. Kampf gegen "Fake News", Skepsis gegenüber dem Einsatz von "Social Bots" und stärkeres "Fact Checking" sind hier nur einige Stichpunkte.

Journalistische Einordnung gefragt

Für uns Journalisten heißt das im Superwahljahr 2017: Wir müssen unsere Wahrnehmung überprüfen und mit feineren Sensoren arbeiten. Dazu sollten wir mehr davon verstehen, wie bestimmte Bevölkerungsschichten ticken, denn gerade in heißen Wahlkampfzeiten und bei erhitzten Gemütern ist journalistische Kompetenz und Einordnung gefragt.

Aber unsere Arbeit ist nicht einfacher geworden: Die politische Welt wird immer komplexer, gleichzeitig steigen der Zeitdruck und das Arbeitsvolumen: Umfassende Analysen und treffsichere Einschätzungen werden schwieriger. Gerade, wenn es politische Akteure gibt, die sich nicht an die Spielregeln des etablierten Politikbetriebes halten. Um diese Herausforderungen zu meistern, helfen weder Verteufelung noch Ausgrenzung sondern vielmehr ein offenerer Blick in die Gesellschaft und handwerkliches Rüstzeug.

Seminarangebote für das Wahljahr

Die ARD.ZDF medienakademie bietet im Wahljahr 2017 zahlreiche Hintergrund-Seminare und Infotage an, u.a. zu Themen wie Asyl und Zuwanderung, Terrorismus oder Islam. In Zeiten von Fake News, Medienhypes, Social-Media-Wellen sowie befürchteten Desinformationskampagnen, gibt es bei der Wahlberichterstattung für Journalisten aber noch mehr potentielle Stolperfallen.

Mit unseren Trainings zum Fakten- und Quellencheck, zur Recherche in sozialen Netzwerken oder zur Verifikation von Internetmaterial lernen Sie Propaganda und Desinformation zu entlarven. Und auch auf den Umgang mit schwierigen Gesprächspartnern, können Sie sich in unseren Interview-Trainings sorgfältig vorbereiten, um sachlich und unaufgeregt einordnen, analysieren und informieren zu können.

Eine Übersicht mit aktuellen Terminen haben wir für Sie hier zusammengestellt: Seminarangebot zum Wahljahr.