5G-Campusnetze für die Medienproduktion
Der 5G-Mobilfunkstandard ermöglicht die Übertragungen von Daten in Hochgeschwindigkeit und bietet sehr geringe Latenz, größere Netzwerkkapazitäten und eine breitere Palette von Frequenzen als der aktuelle LTE-Standard. Ein Stichwort, das in dem 5G-Kontext häufig fällt: Campusnetze.
Was das ist, und was es für die Produktion und die Verbreitung von Medieninhalten bedeutet, erklärt unser Fachgebietsleiter Martin Kaiser.
5G ermöglicht Unternehmen den Aufbau eigener Campusnetze. Was ist das?
Martin Kaiser: Ein 5G-Campusnetz ist ein Netzwerk, basierend auf 5G-Technologien, welches in der Lage ist, Produktionsmittel mit hohen Datenraten drahtlos zu vernetzen. Es wird von der Rundfunkanstalt selbst betrieben, ist unabhängig von öffentlichen 5G-Netzen und damit relativ sicher vor externen Zugriffen.
Warum wird hierfür ein eigenes Netz installiert? Warum macht man das nicht über WLAN oder das öffentliche Mobilfunknetz?
Martin Kaiser: Hierfür gibt es zwei Gründe: Erstens die Verfügbarkeit und zweitens die Datensicherheit. WLANs und öffentliche Mobilfunknetze sind nicht „gemanaged“. Die verfügbaren Datenraten können je nach Nutzerzahlen sehr stark schwanken. Speziell bei großen Events, wenn alle ihre Videostreams z.B. live in die sozialen Netzwerke streamen, können solche Netze zusammenbrechen. 5G-Campusnetze sind für Externe abgeschirmt und können damit eine verlässliche Bandbreite sicherstellen.
Ein zweiter Aspekt ist die Datensicherheit. Die Berechtigung eines Produktionsmittels zur Nutzung des eigenen Netzes wird über „eigene“ SIM-Karten erteilt. Damit ist ein Angriff von außen nahezu unmöglich.
Was wären in der Medienproduktion Anwendungsfälle für statische und nomadische Netze?
Martin Kaiser: Zuerst müssen wir unterscheiden: Statische Netze werden als Festinstallation über einen Campus „aufgespannt“, nomadische Netze sind ortsunabhängig an externen Produktionsorten und werden z.B. bei Festivals temporär betrieben. Sie bieten die Möglichkeit, nahezu alle Produktionsmittel drahtlos mit hohen Bandbreiten zu vernetzen, um die komplette Kommunikation wie Interkom, Kommando, Telefonie etc. zu übertragen. Für welche Dienste Campusnetze vorteilhaft einsetzbar sind, wird aktuell durch verschiedene „Proof of Concepts“ (PoCs) ermittelt.
Welche Schlüsselaspekte müssen bei der Planung, Installation und dem Betrieb von 5G-Campusnetzen beachtet werden?
Martin Kaiser: Wichtigster Punkt ist die Beantragung einer Lizenz zum Betreiben eines 5G-Campusnetzes bei der Bundesnetzagentur (BNA). Dabei müssen diverse Voraussetzungen beachtet werden, speziell die maximal zulässigen Feldstärken an den Rändern der zu bedeckenden Fläche. Alle Produktionsmittel sollten vorher auf die Kompatibilität mit den angedachten Access-Points getestet werden.
Vielen Dank für das Gespräch.
Mehr zum Thema Campusnetze gibt es im Seminar Vernetzte Medienproduktion über drahtlose 5G Campusnetze – aktueller Stand und Perspektiven.
Zu diesem und anderen Kursen rund um das Thema 5G berät Sie gern:
Martin Kaiser:
E-Mail: m.kaiser@ard-zdf-medienakademie.de
Autor: Sven Dütz
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