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Laterale Führung lernen: Die wichtigsten Kompetenzen für Führung ohne Weisungsbefugnis

Viele Menschen führen bereits lateral, ohne es bewusst wahrzunehmen. Ob in Projekten, agilen Teams oder bereichsübergreifenden Aufgaben: Wer Kolleg*innen koordiniert, gemeinsame Ziele verfolgt und Verantwortung übernimmt, führt oft ohne formale Weisungsbefugnis. 

Bettina Winter, Fachgebietsleiterin Fachliche Kompetenzen, Entwicklung und Persönlichkeit, erklärt, woran Sie Laterale Führung erkennen, warum diese in modernen Organisationen immer wichtiger wird und welche Kompetenzen Sie gezielt entwickeln können.

Wann merken Menschen im Berufsalltag zum ersten Mal, dass sie eigentlich bereits lateral führen?

Bettina Winter: Meistens ist es dieser Moment, wenn Du feststellst, dass ein Projekt nur gelingt, wenn du andere überzeugst, koordinierst und für ein gemeinsames Ziel gewinnst – obwohl du niemandem formal vorgesetzt bist. Das unterscheidet sich von informeller Führung, die eher "passiert" – etwa bei der erfahrenen Kollegin, deren Rat gefragt ist, oder dem Fachexperten, dessen Meinung Entscheidungen prägt. Die beruht auf Einfluss. 

Laterale Führung beruht auf Einfluss und auf der Verantwortung für ein gemeinsames Ergebnis. Das passiert oft im Rahmen einer Rolle wie Scrum Master, Projekt- oder Teamleitung ohne Personalverantwortung oder bei Funktionen mit wechselnder Verantwortung wie dem Chef vom Dienst. Man übernimmt bewusst Verantwortung für ein gemeinsames Ziel und gestaltet die Zusammenarbeit aktiv, ohne über Weisungsbefugnisse zu verfügen.

Warum gewinnt Laterale Führung aktuell in Unternehmen an Bedeutung?

Bettina Winter: Die Rundfunkanstalten arbeiten heute, wie viele andere Unternehmen auch, stärker vernetzt als früher. Es gilt, Synergien zu heben und interdisziplinär zusammenzuarbeiten, um die anstehenden Transformationen zu bewältigen. Das bedeutet: mehr abteilungs- und anstaltsübergreifende Projekte, Cluster, Expertengruppen. Dadurch wird Führung immer öfter zu einer Aufgabe ohne Weisungsbefugnis: Sie funktioniert über andere Mechanismen als Hierarchie: Menschen verbinden, Perspektiven moderieren, gemeinsame Ziele voranbringen. Die Fähigkeit zu lateraler Führung wird damit zu einer Schlüsselkompetenz unserer Arbeitswelten.

Welche Fähigkeiten sollte ich entwickeln und ausbauen, um ohne Führungsposition oder auch temporärer als Teil einer Rolle Kolleg*innen zu führen oder Projekte zu leiten?

Bettina Winter: Aus meiner Sicht kommt es vor allem auf sechs Fähigkeiten an: 

Die Basis ist Kommunikationsfähigkeit – klar, wertschätzend und zielorientiert zu kommunizieren. Darauf bauen Überzeugungskraft und Verhandlungsgeschick auf: Interessen zusammenführen und gemeinsame Lösungen entwickeln. Das gelingt nur mit Empathie, also mit einem echten Verständnis für die Perspektiven und Bedürfnisse anderer. Daneben braucht es Konfliktkompetenz, um Spannungen früh zu erkennen und konstruktiv zu bearbeiten, sowie Netzwerkfähigkeit, um Beziehungen aufzubauen und Vertrauen zu schaffen. Und nicht zuletzt: Selbstführung, d.h. Verantwortung übernehmen, Prioritäten setzen und Verlässlichkeit zeigen. 

Die gute Nachricht: Diese Kompetenzen lassen sich gezielt trainieren und stärken. Dafür haben wir das Schwerpunktthema "Laterale Führung" gestaltet, unter dem Ihr einen bunten Strauß an passenden Seminaren findet.

Wer die eigenen Kompetenzen für eine temporäre Führungsrolle, Team- oder Projektleitung praxisnah erweitern möchte, dem empfehlen wir unsere Weiterbildungen:

Bei inhaltlichen Fragen hilft gern Bettina Winter: b.winter@ard-zdf-medienakademie.de. 

Autor: Sven Dütz

Bettina Winter
Fachgebietsleitung Fachliche Kompetenzen // Entwicklung und Persönlichkeit
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