OBA - Audio-Objekte (Symbolbild)

Object Based Audio – Innovation für den Rundfunk?

Die Szenarien, wann und womit Menschen Radio- oder Fernsehbeiträge hören, haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Eine einzige Audio-Mischung für alle lässt die Chance auf ein optimales Hörerlebnis bisher ungenutzt. Mit Object Based Audio steht ein neuer Ansatz für die Produktion und Bereitstellung von interaktiven, personalisierten, skalierbaren und immersiven Audio-Inhalten bereit.

3D-Sound – immersiv, flexibel, personalisierbar

Experten aus europäischen Rundfunkanstalten, Forschungsinstituten und Firmen entwickeln seit 2015 im Rahmen des Forschungsprojekts Orpheus neue Möglichkeiten und Technologien mit dem Ziel eine komplett objetktbasierte Produktionskette aufzubauen.

Mit Object Based Audio können Töne in Radio-, TV- oder Online-Beiträgen in 3D-Formaten und zugleich variabel zum Hörer gelangen – ohne dass ein 3D-Lautsprecher-Setup vorhanden sein muss: Wie bei einer responsiven Webseite passen sich die einzelnen Ton-Objekte mit Hilfe von Metadaten den Gegebenheiten der Nutzung an. Kommt der Ton über die High-End-Heimkino-Anlage, wird das ebenso berücksichtigt wie bei der Kopfhörer-Wiedergabe.

Damit das gelingt, wird eine nahezu beliebige Anzahl von Klängen in Form von Audio-Objekten mit Metadaten (u.a. zu Position und Lautstärke) in einem virtuellen Klangraum platziert. Durch den räumlichen Klang entsteht ein immersives Hörerlebnis, das auch personalisierbar ist. Hörerinnen und Hörer können den Ton an ihre persönlichen Anforderungen und Ansprüche anpassen: z.B. lautere Kommentatoren, weniger Atmo, Sprachen wechseln… – die Soundidee der Produktion wird bestmöglich übertragen, lässt aber Spielräume für Situationen, Geräte und persönliche Vorlieben.

IP-basierte Produktion und Workflows

Die Sender können damit nicht nur ein optimales Nutzungserlebnis schaffen, sondern würden ihrerseits von einer höheren Flexibilität z.B. bei der Übertragung mehrerer Audiostreams profitieren. Diese Chance bietet sich auch deshalb, da einerseits die IP-Vernetzung in den Rundfunkanstalten aktuell weit fortgeschritten ist, zum Anderen auch die Nutzer oft schon IP-basierte Endgeräte einsetzen. Damit gibt es optimale Voraussetzungen für eine durchgängige IP-Strecke bis zum Endkunden.

Object Based Audio bietet auf diese Weise neue dramaturgische Möglichkeiten, erfordert aber auch andere Workflows und eine entsprechende Infrastruktur.

Mehr zu Orpheus unter: https://www.orpheus-audio.eu/

Autor: Sven Dütz

Olaf Schott
Fachgebietsleitung Architekturen und Prozesse in der Medienproduktion
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