Öffentlich-rechtliche Medien auf dem Prüfstand: Wie ausgewogen berichten ARD, ZDF und Co. wirklich?
Häufig wird darüber gestritten, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk einseitig berichtet. Das Problem dabei: Bisher fehlte der Debatte eine klare Faktenbasis. Eine neue Studie der Universitäten Mainz und München schafft jetzt Klarheit. Im Auftrag des BR für die ARD haben Forschende untersucht, wie Themen, Akteure und Meinungen tatsächlich dargestellt werden.
Das wichtigste Ergebnis vorweg: Die Sender erfüllen ihren Auftrag insgesamt sehr gut, zeigen aber auch klare Bereiche für Verbesserungen auf.
Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick
- Breite Themenauswahl: Die Nachrichten berichten thematisch breit und ausgewogen. Sie bieten mehr Vielfalt als das private Fernsehen und müssen sich selbst hinter großen Qualitätszeitungen kaum verstecken.
- Wer kommt zu Wort? Zwar bilden die Sender ein breites Spektrum an Akteuren ab, allerdings kommen Menschen abseits der Politik oft zu kurz. Das betrifft vor allem Bürgerinnen und Bürger, zivilgesellschaftliche Organisationen, Frauen, ältere Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund.
- Politische Färbung: Viele Formate lassen sich – wie die meisten Leitmedien – tendenziell „links der Mitte“ einordnen, also eher sozialstaatsorientiert und liberal-progressiv. Der Vorwurf einer einseitigen Parteinahme oder einer extremen Regierungsnähe lässt sich wissenschaftlich jedoch nicht belegen.
Das Fazit der Forschung: Pauschale Kritik an einer durchgehend einseitigen Berichterstattung ist unbegründet. Dennoch gibt es je nach Thema und Format deutliche Unterschiede und Luft nach oben.
Wie sich die Sender verbessern können
Die Autorinnen und Autoren der Studie empfehlen den Redaktionen konkrete Schritte für die Zukunft:
- Regelmäßig prüfen: Ein dauerhaftes und systematisches Monitoring soll zeigen, welche Themen, Meinungen und Menschen tatsächlich im Programm stattfinden.
- Bewusstsein schärfen: Fragen der Ausgewogenheit müssen fester in der Aus- und Weiterbildung verankert werden.
- Routinen hinterfragen: Redaktionen sollten ihre eigenen, oft unbewussten Auswahlmuster bei der Themen- und Gästesuche regelmäßig kritisch prüfen.
Hinweis: Für das Gutachten wurden insgesamt 49 Studien aus den Jahren 2020 bis 2025 ausgewertet.
Zur Studie: Vielfalt und Ausgewogenheit als Maßstab von Medienqualität.
Autorin: Martina Lenk
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