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Selbstregulation, Stress und Wandel: Was wir von "Be like Water" lernen können

Um in unsicheren Situationen klar und handlungsfähig zu bleiben, braucht es mehr als belastbare Nerven. Unser Trainer Florian Ziesmer setzt deshalb auf die Philosophie des Kampfkünstlers und Schauspielers Bruce Lee. 

Im Interview erklärt er, worin der Unterschied zwischen reflexhaftem Reagieren und echter innerer Flexibilität besteht, wie unser Gehirn unter Stress arbeitet und weshalb neurobiologisches Verständnis für die Selbstregulation von Bedeutung ist.

Wenn Sie mit Bruce Lee sagen "Be like water" – worin liegt aus Ihrer Sicht der Unterschied zwischen bloßem Reagieren auf Veränderung und echter innerer Beweglichkeit?

Florian Ziesmer: Innere Beweglichkeit ist das eine. Aktiver Umgang mit Veränderung geht weit darüber hinaus. Bruce Lee hat es auf den Punkt gebracht, in dem er sagte „Water can flow and water can crash“. Damit meinte er eine Mischung aus radikaler Anpassungsfähigkeit, emotionaler Flexibilität und immenser Kraft, die uns zur Verfügung stehen kann, um für uns und andere, Wandel aktiv und wirksam gestalten zu können.

Was sollten wir über Selbstregulation und neurobiologische Prozesse wissen, um unsere Reaktionsmuster auf Druck und Unsicherheit besser zu verstehen und zu steuern?

Florian Ziesmer: Unser Stammhirn und auch das limbische System sind um ein Vielfaches schneller als unser Neocortex, mit dem wir auf Verstandesebene agieren. Zudem nehmen wir – bewusst – nur selektiv wahr, was dazu führt, dass wir immer wieder unbewusst reagieren – und teils auch agieren. Wir werden vom limbischen System emotional gesteuert. Wenn wir es schaffen, dafür ein Verständnis zu entwickeln und uns die Zeit zu nehmen, die wir brauchen, erst dann können wir die Freiheit des aktiven Denkens und Handeln erfahren, die zu regelmäßigen, funktionalen und den gewünschten, Verhaltensweisen führt.

Was verändert sich im Denken und Handeln von Mitarbeitenden und Führungskräften, wenn sie lernen, Kontrolle loszulassen und stattdessen flexibel zu agieren?

Florian Ziesmer: Auf emotionaler Ebene erlangen Mitarbeitende und Führungskräfte einen sichereren Umgang mit Unsicherheiten. Sie trauen sich, den nächsten notwendigen Schritt zu machen, auch wenn sie noch nicht hundertprozentig sicher sind, wie der folgende dann anschließende Schritt konkret aussehen muss. Auf biochemischer – und damit nicht immer bewusst wahrnehmbarer – Ebene nimmt dadurch die Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol, Adrenalin, Neoadrenalin ab, die wir in den wichtigen Phasen dringend brauchen, um uns Energie bereit zu stellen, aber ungesunde Auswirkungen auf unseren Körper und Geist haben, wenn deren Spiegel über längere Zeiten erhöht ist. So lässt sich das Risiko für Stressfolgeerkrankungen und gesundheitliche Ausfälle mit senken.

Vielen Dank für das Gespräch.

Wie man mit der Philosophie von Bruce Lee eine individuelle „Wasserstrategie“ entwickelt, um in Zeiten des Wandels resilienter zu agieren, erleben Sie im Seminar: 

Bei inhaltlichen Fragen hilft gern Bettina Winter: b.winter@ard-zdf-medienakademie.de

Autor: Sven Dütz

Bettina Winter
Fachgebietsleitung Fachliche Kompetenzen // Entwicklung und Persönlichkeit
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