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Tote, Verletzte, Zerstörung – Umgang mit belastendem Bildmaterial

Die Mitarbeiter*innen in den Sendern sind zwar nicht selbst im Kriegs- oder Krisengebiet, aber dennoch tagtäglich den Bildern des Ukraine-Krieges oder der Erdbebenopfer in der Türkei ausgesetzt. Sie bearbeiten und verpixeln die Leichenteile, Zerstörung und Verletzungen so, dass die Bilder überhaupt ausgestrahlt werden können. Das geht nicht an allen Kolleg*innen spurlos vorbei.

Fee Rojas und Claudia Fischer arbeiten seit über 15 Jahren mit Medienschaffenden, die hier zu Hause oder in Kriegs- und Krisengebieten mit diesen Bildern zu tun haben.

Wieso kann es gefährlich sein, sich mit Bildern von Krieg und Katastrophen zu beschäftigen?

Claudia Fischer: Bilder und Töne lösen in uns starke Gefühle aus. Das Urvertrauen wird erschüttert, wenn wir sehen, was Menschen anderen Menschen antun. Profis haben natürlich Techniken, sich gegen solche Emotionen abzugrenzen, aber irgendwann ist zu viel einfach zu viel. Dann reagieren wir mit Stress, Dünnhäutigkeit, Schlaf- oder Konzentrationsstörungen oder können uns über nichts mehr freuen.

Wie kann eine gute Unterstützung für die Kolleg*innen aussehen?

Fee Rojas: Viele Medienschaffende machen das mit sich alleine aus. Aber ein wesentlicher Schutz – das sagt die Trauma-Forschung – ist das Erleben einer wohltuenden Gemeinschaft und der Austausch mit anderen. Es ist wichtig, sich gegenseitig zu stärken. 

Claudia Fischer: Das ist natürlich schwierig für die Kolleg*innen, die am Laptop im Homeoffice oder vor Ort im Krisengebiet filmen und schneiden. Es gibt ein paar Techniken, z. B. die Bilder beim ersten Durchgang nur in Schwarz-Weiß zu sichten und den Ton abzudrehen, weil der Ton uns oft noch emotionaler packt als ein Bild.

Ist es nicht ein Zeichen von mangelnder Professionalität, wenn man ein Seminar benötigt, um den Umgang mit belastendem Bildmaterial zu erlernen? 

Fee Rojas: Im Gegenteil: Es ist absolut professionell, sich mit seiner beruflichen Belastung bewusst zu beschäftigen und sein seelisches Immunsystem zu boostern. Nur wenn man seine inneren Triggerpunkte kennt, kann man bewusst damit umgehen. 

Claudia Fischer: Wer z.B. Kinder hat, reagiert auf Bilder von Kindern womöglich besonders emotional. Alleine das zu wissen, kann schon helfen, einen besonderen Schutzfilter beim Sichten von Bildern mit Kindern zu haben. Außerdem kann man versuchen, das im Dienstplan oder bei der Arbeitsteilung in der Redaktion zu berücksichtigen. Davon profitiert der/die Einzelne, das Team und die Qualität des Journalismus. 

Die Fragen stellte Matthias Harder.

Das Seminar zum Thema und alle Informationen finden Sie hier: 

Bei Fragen berät Sie gern Matthias Harder: m.harder@ard-zdf-medienakademie.de

Matthias Harder
Fachgebiets­leitung Journalistische Kompetenzen und Volontärsausbildung
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