Trend oder nur Hype? Wie man Zukunftsszenarien in redaktionelle Formate übersetzt
Wann ist etwas ein journalistisch relevanter Trend, wann nur ein kurzfristiger Hype? Der Innovationsmanager und Trainer Felix Günther erklärt, wie Redaktionen Zukunfts- und Trendforschung praktisch einsetzen: Wie sie „schwache Signale“ systematisch beobachten und Zukunftsszenarien so nutzen, dass daraus konkrete Formate, Angebote und Strategien entstehen.
Woran erkenne ich den Unterschied zwischen einem kurzfristigen Hype und einem strukturellen Trend?
Felix Günther: Ein Hype erzeugt kurzfristig Aufmerksamkeit. Ein struktureller Trend verändert dauerhaft Verhalten, Erwartungen oder Märkte. Die spannende Frage ist deshalb nicht: „Wird gerade viel darüber gesprochen?“, sondern: „Verändert sich dadurch langfristig, wie Menschen leben, kommunizieren oder Medien nutzen?“ KI ist dafür ein gutes Beispiel: Chatbots waren zunächst ein Hype – die Verschiebung von „Search to Answer“ dagegen ist ein struktureller Wandel.
Und wie übersetzt man abstrakte Zukunftsszenarien konkret in redaktionelle Formate oder strategische Entscheidungen?
Felix Günther: Der wichtigste Schritt ist, Szenarien nicht als Science-Fiction zu verstehen, sondern als Werkzeug für konkrete Fragen. Zum Beispiel: Wie müssen journalistische Inhalte aussehen, wenn Menschen Informationen künftig primär über KI-Systeme finden? Oder: Wie schaffen Medienmarken noch Bindung in einer Plattformwelt? Gute Zukunftsarbeit endet deshalb nicht bei Trends, sondern führt immer zu Entscheidungen über Produkte, Formate oder Strategien.
Gibt es Tipps: Welche Methoden oder Tools sind besonders geeignet, um auch „schwache Signale“ sichtbar zu machen?
Felix Günther: Wichtig ist vor allem, systematisch neugierig zu bleiben. Wir arbeiten viel mit Signal-Scanning, also dem Beobachten kleiner Veränderungen in Technologie, Kultur oder Mediennutzung. Hilfreich sind dabei internationale Trenddatenbanken, Social-Media-Beobachtung, Start-up-Analysen oder auch einfach sehr diverse Informationsquellen. Oft beginnt ein großer Wandel nämlich als kleine Irritation am Rand.
Welcher Trend der letzten Zeit ist vollkommen überraschend gekommen?
Felix Günther: Die Geschwindigkeit, mit der generative KI vom Nerd-Thema zum Alltagswerkzeug geworden ist, hat vermutlich fast alle überrascht. Weniger überraschend war dagegen die Technologie selbst – eher die Geschwindigkeit der gesellschaftlichen Adaption. Genau deshalb beschäftigen wir uns in der Trendforschung nicht nur mit Technologien, sondern auch mit der Frage: Wann kippt Verhalten wirklich in die Breite?
Vielen Dank für das Gespräch.
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