Von Lampenfieber zu souveräner Präsenz als Führungskraft
Angespannt, flache Atmung, der Puls geht hoch – bei öffentlichen Auftritten oder in stressgeladenen beruflichen Situationen ist es herausfordernd, überzeugend und authentisch zu agieren.
Der Schauspieler Nico Holonics erklärt, warum selbst erfahrene Führungskräfte unter Lampenfieber, Blackouts und überhöhtem Perfektionismus leiden – und wie sie mit Techniken aus Schauspiel und Körperarbeit spielerisch zur eigenen Präsenz und einem ruhigen, klaren Auftritt finden.
Sie sind Schauspieler für Film und Theater – der Auftritt vor Publikum ist Ihr Beruf. Fiel Ihnen das immer schon leicht oder mussten auch Sie daran arbeiten?
Nico Holonics: Nein, leicht fiel mir das wahrlich nicht immer – ich litt zu Beginn meiner Karriere an schlimmstem Lampenfieber, dachte nicht selten ans Aufhören und genau das ist heute mein großes Glück. Ich kenne Lampenfieber, Blackouts und diesen inneren Druck sehr gut, nur eben aus einer anderen beruflichen Perspektive. Auf der Bühne lernt man schnell: Sicherheit ist nichts Angeborenes, sondern etwas Erlernbares. Man arbeitet an Haltung, Atmung, Fokus – und daran, den eigenen Anspruch nicht zum Gegner werden zu lassen. Diese Erfahrung gebe ich heute weiter, nur ohne Kostüm und Rampe.
Welche typischen Unsicherheiten und Hürden beobachten Sie bei Führungskräften in Präsentations- und Auftrittssituationen und wie kann man denen entgegenwirken?
Nico Holonics: In meiner Berliner Praxis begegnen mir viele fachlich kompetente Führungskräfte, Künstler und andere Profis auf ihrem Gebiet, die sich aber beim öffentlichen Auftritt selbst im Weg stehen. Häufige Themen sind Angst vor Kontrollverlust, überhöhter Anspruch und ein zu starkes „Ich darf mir keinen Fehler erlauben“. Der Körper reagiert darauf oft schneller als der Kopf – mit Anspannung, flacher Atmung oder simpel mit Blackouts. Ich sage dazu immer: Der Körper wird zur Bühne der Gefühle. Entgegenwirken kann man, indem man nicht nur am Inhalt arbeitet, sondern an Präsenz, Körperwahrnehmung und innerer Haltung. Souveränität entsteht, wenn Kopf und Körper wieder zusammenarbeiten.
Sie arbeiten mit Techniken aus Schauspiel und Kommunikation. Was lernen Führungskräfte dadurch über sich selbst, das klassische Rhetorik- oder Präsentationstrainings oft nicht leisten?
Nico Holonics: Sie lernen sprichwörtlich spielerisch, zu gestalten, wie Sie wirken – nicht nur, was Sie sagen. Schauspielarbeit macht erlebbar, wie stark Haltung, Blick, Atem und innere Bilder den Auftritt prägen. Viele merken erstmals, dass sie nicht „mehr machen“, sondern eher „weniger blockieren“ müssen. Es geht nicht um Rollenarbeit wie im Theater, um Verhüllung, sondern um Enthüllung von Potenzial, um Zugang zur eigenen Präsenz. Das ist oft überraschend entlastend – und sehr wirksam, denn im Spiel lernen wir am meisten über uns selbst.
Wenn der Vorhang fällt, spüren Sie auf der Bühne das Feedback Ihres Publikums. Woran merken Teilnehmende Ihrer Trainings nach einigen Wochen, dass sie anders wahrgenommen werden?
Nico Holonics: Die meisten berichten, dass sich ihr Auftritt ruhiger anfühlt – selbst in stressigen, herausfordernden Situationen. Sie bekommen Rückmeldungen, sie seien „klarer“, „präsenter“ oder „souveräner“ gewesen. Entscheidend ist: Sie sind mehr bei sich und weniger im inneren Alarmmodus. Dadurch werden Ressourcen frei, die die eigene Performance auf ein neues Level heben. Und das Publikum spürt das sofort. Souveränität ist eben kein Trick – sondern ein Zustand.
Vielen Dank für das Gespräch.
Nico Holonics spielt seit über 20 Jahren auf den großen Theaterbühnen Deutschlands, aktuell im Berliner Ensemble. Hier gibt es Termine und Details zu seinem Seminar:
Bei inhaltlichen Fragen berät Sie gern Anja Schäfer: a.schaefer@ard-zdf-medienakademie.de
Autor: Sven Dütz
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