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Wenn Veränderung uns belastet und erschöpft

Die Rundfunkanstalten wie auch viele Unternehmen gehen aktuell durch tiefgreifende Transformationsprozesse. Zusammen mit gesellschaftlichen Herausforderungen kann das Maß an ständiger Veränderung und Ungewissheit die individuellen Ressourcen überfordern, erklärt unsere Expertin Gabriele A. Maier.

Was macht der andauernde Druck zur Veränderung mit den Beschäftigten?

Gabriele A. Maier: Andauernder Druck kann sich negativ auf die physische und psychische Gesundheit auswirken. Es kann zu erhöhtem Stress, Burnout und anderen Gesundheitsproblemen wie bspw. Schlafstörungen führen und sogar die berufliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen und somit das Risiko für Fehler erhöhen und die Qualität der Arbeit beeinträchtigen. 

Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen die weltweit als besonders belastend eingestuften Erkrankungen größtenteils auf Stress zurück oder werden durch diesen sogar verstärkt. Eine besorgniserregende Zahl dazu: In einer neuen Studie von Schnetzer, Hampel und Hurrelmann von 2023 sagen 32% der 30- bis 49-Jährigen: ‚Ich hatte in den letzten 30 Tagen das Gefühl, aufgrund von Arbeitsstress innerlich ausgebrannt zu sein.‘ Bei den unter 30-Jährigen sagen dies 31% und bei den 50- bis 69-Jährigen immerhin noch 19%. Deshalb ist es wichtig, Strategien zur Stressbewältigung und zur Förderung einer gesunden Work-Life-Balance zu entwickeln, um die negativen Auswirkungen des anhaltenden Drucks zu minimieren.

Einzelne Mitarbeiter*innen haben auf das Für und Wider solcher Projekte in der Regel wenig Einfluss. Wie können wir lernen, mit dem ständigen Wandel in unserer Umgebung umzugehen, ohne uns davon überwältigen zu lassen?

Gabriele A. Maier: Die größte Einflussmöglichkeit liegt in unserer Haltung, also darin, wie wir diesem Wandel begegnen. Dazu gehört erst einmal Akzeptanz: Gelingt es uns, Veränderung als einen ganz natürlichen Teil des Lebens zu begreifen? Je eher ich Veränderungen als Teil der Lebenswirklichkeit akzeptieren kann, desto leichter wird es mir fallen, mich anzupassen.

Eine weitere hilfreiche Haltung ist eine positive Einstellung: Gelingt es mir, die Veränderungen in meinem Umfeld als Chance für persönliches Wachstum und berufliche Entwicklung, anstatt als Bedrohung zu sehen? Sich zu fragen und Antworten zu finden: In welcher Hinsicht bietet sich für mich die Möglichkeit, Neues zu lernen? Was genau?

Und: erhöhte Belastung in Zeiten des Wandels fordert gezielte Selbstfürsorge. Das bedeutet für Ausgleich, ausreichend Erholung, Bewegung und Entspannung zu sorgen, um Stress gezielt zu reduzieren und die eigene Widerstandsfähigkeit zu stärken.

Welche konkreten Strategien und Werkzeuge gibt es, um eine gesunde Balance zwischen Anpassungsfähigkeit und Stabilität zu finden?

Gabriele A. Maier: Es gibt eine Vielzahl von Strategien, um Resilienz – also die persönliche Widerstandskraft gegenüber Belastungen und Krisen – zu stärken, sowohl auf der physischen als auch der psychischen Ebene. Genau auf diese Strategien werden wir uns in dem Seminar konzentrieren. Neben der bereits erwähnten Selbstfürsorge sind das u.a.:

  • Stressbewältigungstechniken
  • regelmäßiges, aktives Zeitmanagement  – dazu gehört auch Dinge wegzulassen!
  • Strategien zur Lösung von Problemen,
  • bewusste Perspektivwechsel, um nicht nur negative, sondern auch positive Aspekte an der Veränderung wahrzunehmen und
  • natürlich die gemeinsame Reflexion der Herausforderungen mit Kolleg*innen und der Führungskraft im Team.

Vielen Dank für das Gespräch.

Gabriele A. Maier ist Trainerin des Seminars Change no more! Von ständigen Veränderungen überwältigt und erschöpft.

Autor: Sven Dütz

Florian Klein
Fachgebiets­leitung Change-, Prozess- und Projektmanagement
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