Alles schon smart? Lagerdenken ist keine Lösung – meint Jens Telschow

Ist die „Smart-Production“ nun schon Realität oder bleibt sie ein frommer Wunsch? Mehr als 5 Jahre ist die offizielle Diskussion über smarte Produktionsformen in vollem Gang. Arbeitsgruppen, Definitionen und Deutungen, Beispiele und Projekte: Was ist smart, was smarter? Wie war die Produktion vor Zeiten der smarten Produktion: personalintensiv, technikverliebt – kurzum: nur teuer? Das Phone als Ersatz für den Ü-Wagen – DER Traum aller, die auf die Kosten schauen.

Mobile Reporting. Bild: WDR/Dahmen
Mobile Reporting. Bild: WDR/Dahmen
Doch zunehmend reift die Erkenntnis, dass so ein Rotlicht schon eine praktische Erfindung ist. Auch das eine zentrale Kabel zur Kamera oder ein Fahrzeug, in dem alle Technik fix und fertig verdrahtet ist, sind nicht zu unterschätzende Zeitsparfaktoren – und deshalb auch ziemlich smart.

Viele der Befürworter einer radikalen smarten Zeitenwende haben das eingesehen. Auch sind Anforderungen, in denen Fernseh-Regien backstage in Flightcases aufgebaut werden müssen, noch rar. Oft fehlt allein das redaktionelle Konzept, und am Ende ist viel teure Handarbeit erforderlich.

Nicht: smart oder klassisch – die Anforderungen entscheiden

Und trotzdem! Die „smarte Produktion“ – also die Ausweiterung des Angebotsspektrums in Richtung einfacher, leichter und preiswerter Technik muss heute zu den zentralen Strategien moderner Produktionsbetriebe gehören. Es geht dabei nicht um schwarz oder weiß, um gut oder schlecht, billig oder teuer. Smart bezeichnet eine veränderte Haltung zur Qualität – als die Erfüllung von Anforderungen.

Mit den neuen technischen Möglichkeiten lässt sich heute Vieles umsetzen, was mit dem „großen Besteck“ nicht geht. Smart bedeutet, mit der richtigen Technik und gut und vielseitig ausgebildetem Personal redaktionelle Anforderungen kostengünstigst erfüllen – nicht mehr und nicht weniger! Ein Lagerdenken ist anachronistisch und überflüssig. Dafür sind die anstehenden Aufgaben der nächsten Jahre einfach zu groß! 

Eher als die Frage ob Phone oder Ü-Wagen wird es mehr und mehr darum gehen, wer künftig welche Aufgaben übernimmt und ob und worin sich künftig Produktion, Kontribution, Distribution und Redaktion noch unterscheiden werden. Die Medienakademie begleitet diese Entwicklungen proaktiv mit ihrem Seminarprogramm. So werden wir alle zusammen immer besser und damit eben auch „smarter“!

Autor: Jens Telschow