Audio over IP – Trends und neue Technik in der Audioproduktion 

Audiodaten hochsynchron über IP-Verbindungen zu übertragen, erfordert Know-how über Netzwerke, Protokolle und die Konfigurationsoptionen der verfügbaren Studioeinrichtung. Zu diesem Thema laden die Hersteller der Branche wie Lawo, Rohde & Schwarz und Sony zum jährlichen Gedankenaustausch auf die „Technology Innovation Days 2019“. Michael Bliemel, Fachkoordinator Audio der ARD.ZDF medienakademie, war vor Ort.

Aurus Platinum Mischpult der Firma Stagetec in der ARD.ZDF medienakademie.
Aurus Platinum Mischpult der Firma Stagetec in der ARD.ZDF medienakademie.

Michael, du warst auf den „Technology Innovation Days 2019“ in Berlin. Welche Trends zu Audio over IP hast du dort mitgenommen?

Michael Bliemel: Es geht nicht mehr nur um die Technologie, sondern zunehmend um die Fragen, welche Content-Angebote sich durchsetzen, wie sich das Verhalten der Konsumenten entwickelt und in welchen Verbreitungskanal investiert werden soll. Entscheidend wird auch sein, diese Investitionen möglichst zukunftssicher und flexibel einzusetzen: Wie wenig kann ich investieren, um einen sicheren Betrieb einer neuen Produktionsstätte zu gewährleisten, damit ich in kurzer Zeit auf neue Anforderungen des Marktes reagieren kann und auch hierfür die Mittel zur Verfügung habe? 

Szenarien, die dies offerieren, haben sehr viel mit Cloud-Lösungen zu tun. Dies ermöglicht mit einer Minimalkonfiguration das Tagesgeschäft abzuwickeln und zusätzliche Kapazitäten nur bei Bedarf in der Cloud zu mieten. Damit ich aber Dienste und Kapazitäten in der Cloud nutzen kann, sind IP-basierte Produktionsweisen die Grundlage.

Wie verbreitet ist die IP-basierte Audioproduktion und was sind die Vorteile?

Michael Bliemel: Es gibt nach wie vor konventionell aufgebaute Signalstrukturen. Wo neu gebaut wird, werden Netzwerktechnologien ins Konzept eingebunden. Das kann sich nur auf die interne Vernetzung beziehen, aber auch Themen wie Remote-Production umfassen. Hier sitzt – vereinfacht gesagt – die Bild- und Tonregie im zentralen Studiokomplex und vor Ort sind nur mobile Einheiten, die mehrkanalig Audio und Video in Echtzeit über Netzwerkanbindung dorthin übertragen, wo dann die eigentliche Bild-/Tonmischung passiert. 

Audionetzwerke ermöglichen eine deutlich flexiblere Signalverteilung, z.B. durch die Nutzung beliebiger Quellen aus der gesamten Produktionsumgebung. Virtuelle Schnittstellen, die nicht auf eine spezielle Hardware-, sondern nur auf eine Netzwerkanbindung angewiesen sind, ermöglichen erst den Einsatz zentraler Rechenleistung auf virtuellen Maschinen in Rechenzentren.

Eine aktuelle Anwendung des Netzwerkstandards AES67 betrifft das Hybnet III der ARD, mit dem Beitragsaustausch über weConnect.

In der Akademie hier in Nürnberg wird gerade ein neues Mischpult eingerichtet. Welche Produktionsszenarien können wir damit zu Trainingszwecken abbilden?

Michael Bliemel: Die Firma Stagetec hat unser Aurus-Mischsystem aktualisiert: Das System ist nun komplett auf Platinum aktualisiert und mit aktuellster Hardware ausgestattet.

Das betrifft sowohl die Studiointegration über Steuerschnittstellen, wie die Signalschnittstellen, die um die aktuellen Audioformate, wie Dante und AES67/Ravenna ergänzt wurden. Somit fällt es uns leichter das Pult in unsere sonstigen Szenarien zu integrieren, sei es die Anbindung an die News- und die Magazinregie über Ravenna, die Einbindung in die Audio-Netzwerk-Seminare in den Seminarräumen bis hin zur Anbindung an die digitale Kreuzschiene des Fernsehstudios.

Autor: Sven Dütz