Berufliche Bildung 4.0: Überfachliches Wissen immer wichtiger 

Die Verfallszeit von fachlichem Wissen wird immer kürzer. „Gleichzeitig bekommt das überfachliche Wissen in der Berufswelt einen herausragenden Stellenwert“, sagt Professor Dr. Rita Meyer vom Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung an der Leibniz-Universität in Hannover.

Tobias Lohmann und Prof. Dr. Rita Meyer. Foto: Britta Beutnagel
Tobias Lohmann und Prof. Dr. Rita Meyer. Foto: Britta Beutnagel

„Die Arbeitswelt 4.0 erfordert – so stark wie noch nie bisher – personale und soziale Kompetenzen“, sagt Tobias Lohmann, Geschäftsführer am Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft gGmbH auf der jährlichen Fachtagung am Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung, „denn auf diese immense Eigenverantwortung in der neuen Arbeitswelt sind viele Menschen nicht eingestellt“.

Technische Veränderungen, fachliche Spezifizierung, neue Geschäftsmodelle, Projekt- und Organisationsmethoden, mehr crossfunktionale Zusammenarbeit – all das fordere die Menschen in einem Maße, wie es die wenigsten nur allein – ohne überfachliche Begleitung – stemmen könnten, sind sich Meyer und Lohmann in ihrer Keynote einig.

„Die Herausforderung in der neuen Arbeitswelt sind die kooperativen Arbeitsformen – und die sind nur mit überfachlichen Kompetenzen zu meistern“, so Meyer. Lohmann illustriert dies mit einem in der Wissenschaft geprägten Begriff – dem „Arbeitskraftunternehmer“: „Das ist jemand, der sich selbst planen, steuern und vermarkten, der seinen Lebenslauf und den Beruf durchorganisieren muss.“

„Es ist noch völlig offen, wie Menschen künftig zusammenarbeiten werden, wo es hingeht“, schätzt Meyer ein. Was hingegen schon klar sei: Es gibt mehr prozessbezogene Tätigkeiten und mehr Hybridberufe – und vor allem – mehr hochqualifizierte Berufe. Einfache Tätigkeiten werden weiter automatisiert und die künstliche Intelligenz kratzt bereits am Ersatz anspruchsvoller Tätigkeiten.

Die Berufswelt 4.0 bedeutet aber auch, dass fachliches Wissen schnell veraltet; deutlich erkennbar an Berufsbildern, die manchmal eine Lebensdauer von gerade mal 15 Jahren haben. „Das fachliche Wissen muss künftig eher fließend zu den Arbeitnehmern kommen, weniger curricular“, erläutert Lohmann die Aufgabe für die fachliche Bildung. Eine perfekte Aufgabe für Fortbildungsunternehmen. 

Autorin: Martina Lenk