Das Docupy-Format des WDR

Wie oft schafft es eine Dokumentation aus dem Öffentlich-Rechtlichen als Aufmacher-Thema auf den Titel der Wochenzeitung „Die Zeit“? Den Machern der Docupy-Reihe vom WDR – ein in vielerlei Hinsicht neuartiges Journalismus-Projekt – ist es am 3. Mai 2018 gelungen.

Docupy-Logo / WDR
Docupy-Logo / WDR

Neue Wege in Produktion und Distribution

Nicole Ripperda aus dem Redaktionsteam „Die Story“ vom WDR erzählt, wie es zu dem Docupy-Format kam: „Wir vom Story-Team wollen mit unseren Geschichten auch die jungen Leute erreichen. Dazu müssen wir Kanäle wie Facebook, Twitter, Instagram und Youtube bedienen.“ Doch auch diese Kanäle reichten den Filmemachern nicht: „Wir wollten mit unserer Marke Docupy nicht irgendwo auf einer Webseite hinter www und slash, slash, slash verschwinden. Deshalb haben wir die Videos kostenfrei an reichweitenstarke Plattformen gegeben wie Vice, Spiegel und die Zeit“, sagt Ripperda.

Neu ist aber nicht nur die Distribution des Formats sondern auch die Produktion: Im Team haben von Anfang an Onliner und Fernsehleute eng zusammen gearbeitet. Das überwiegend weibliche Team setzt sich aus Kolleginnen vom WDR, der bildundtonfabrik und der freien Autorin Fabienne Hurst zusammen. Außerdem hat das Team gleich zu Beginn die Stimmen aus dem Netz aufgenommen. So hatten die Zuschauer Einfluss auf die Themen und Formate. „#Ungleichland“ hat das Team als Thema gewählt – mit dem Fokus auf die Facetten Vermögen, Chancen und Macht.

Docupy und die Publikumsbeteiligung

Dabei haben die Macher auch die Bälle aufgenommen, die ihnen die Menschen über die sozialen Kanäle zugespielt haben – wie beispielsweise die #metoo-Debatte, die während der Recherche-Arbeiten hochschwappte. Weibliche und männliche Bundestagsabgeordnete wurden vor die Kamera gebeten und zu ihren sexistischen Erlebnissen und Erkenntnissen befragt. Docupy hat es aber mit ihren moneytalks auch geschafft, dass die Leute offen im Netz über ihre Gehälter berichteten – normalerweise ein No-Go in Deutschland.

Weitere Infos und Veranstaltungshinweis

Das alles kann man hier auf der Docupy-Themenseite nachschauen. Die Fernsehdokumentationen liefen an vier Terminen im Mai in der ARD und dem WDR.

Wer mehr über das Docupy-Projekt erfahren möchte, sollte am 5. November 2018 das Journalismusforum 2018 „Menschen erreichen, publizistisch relevant sein“ beim Bayerischen Rundfunkt nicht verpassen. Dort wird Docupy und viele andere publikumsnahe Projekte vorgestellt.


Autorin: Martina Lenk