Das Newsroom-Prinzip: die Transformation der Rundfunkanstalten

Direktionen werden aufgelöst, Workflows und Strukturen neu definiert – und gelegentlich Häuser um diese neuen Strukturen herum gebaut: Die Transformation von der Rundfunkanstalt zum Medienhaus, vom Sender zum digitalen Lab ist bei ARD und ZDF in vollem Gange.

Newsroom bei Danmarks Radio (DR) in Kopenhagen
Eines der Vorbilder aus Skandinavien: der Newsroom bei Danmarks Radio (DR) in Kopenhagen. Foto: DR

Dabei definieren die Sender ihren Weg zum digitalen Ausspielcenter unterschiedlich – sowohl in der Geschwindigkeit als auch in Fragen finanzieller und organisatorischer Prioritätensetzung.

Beispiele des Wandels aus den Sendern

So machte der WDR in diesem Jahr von sich reden mit neuen Verantwortlichkeiten von Hörfunkdirektorin Valerie Weber und Fernsehchef Jörg Schönenborn. Weber leitet nun eine crossmediale Programmdirektion für NRW, Wissen und Kultur – der Hörfunk bleibt aber bei ihr gebündelt; wie das Fernsehen bei Schönenborn gebündelt bleibt – erweitert um den Programmbereich Internet – nun aber unter dem Namen „Programmdirektion Information, Fiktion und Unterhaltung“ firmiert.

Etwas deutlicher lässt sich der digitale Weg bei Positionen wie der von Stefan Brandenburg (48), bisher Leiter der Programmgruppe Aktuelles Fernsehen ablesen. Er übernimmt am 1. Juli die Leitung des neuen crossmedialen Programmbereichs Aktuelles und verantwortet den Newsroom, in dem künftig die gesamte aktuelle Berichterstattung für Hörfunk, Fernsehen und Online angesiedelt sein wird.

Radikalere Statements waren vom rbb dieser Tage zu hören: Contentboxen sollen gebildet und die Trennung zwischen Redaktion und Technik aufgehoben werden. Die Produktion solle nicht mehr Ausspielweg-bezogen, sondern themenorientiert erfolgen. Das Herz des Umbaus heißt CNC – crossmediales Newscenter – und wird in einem neuen Gebäude schlagen, das noch erbaut werden muss.

Erfahrungen skandinavischer Medienhäuser 

Diese zwei Beispiele sind nur Pars pro Toto genannt – auch alle anderen Öffentlich-Rechtlichen bauen massiv um, schließen Abteilungen, verzichten dabei auf ehemalige Berufsbilder, um mit vielen neuen in die Zukunft zu gehen. Vorbild ist dabei immer wieder Skandinavien, die sowohl in Dänemark wie auch in Schweden oder Finnland schon länger an dem Umbau arbeiten. Deshalb wissen sie auch zu berichten, dass sie die Strukturen innerhalb von 3 Jahren bis zu neunmal umgestoßen haben, da dieser gewaltige Umbau über Versuch und Fehler ausgetestet werden muss.

Angebote für die digitale Transformation 

„Als Dienstleister für unsere Gesellschafter von ARD, ZDF und Deutschlandradio und Deutsche Welle, muss sich das natürlich in unserem Angebot widerspiegeln“, sagt Stefan Hanke, Geschäftsführer der ARD.ZDF medienakademie. Jedes Jahr bringe die Akademie rund 60–70 neue Seminare auf den Markt und werfe ebenso viele auch wieder raus. Gleichzeitig ändern sich dabei die Strukturen, in die die Inhalte einsortiert werden.

Bezeichnungen von Ausspielwegen sucht man im Katalog der ARD.ZDF medienakademie als Kapitelüberschrift vergeblich“, so Hanke weiter. Auch Redaktion und Technik seien im Angebot verschmolzen. Das führe natürlich zu immer neuen Sortierungen der Seminare.

Wem die Suche deshalb zu anstrengend geworden sei, für den hat Stefan Hanke einen Tipp: „Einfach ein Suchwort auf der Website eingeben. Die passenden Seminare werden dann angezeigt.“

Autorin: Martina Lenk