"Das Science Media Center unterstützt bei Recherchen"

Nicht jede Journalistin, jeder Journalist ist ein Zahlenfreak oder Naturwissenschaftler.  Aber in digitalen Zeiten basiert investigativer Journalismus häufig auf einem Wust schwer auszuwertender Daten bzw. auf einer investigativen Fragestellung, die wissenschaftliche Belege erfordert. Das gemeinnützige Science Media Center hilft dabei.

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Souverän – auch in Breaking-News-Situationen

Franco Zotta, Geschäftsführer des wissenschaftsjournalistischen Berufsverbandes „Wissenschafts-Pressekonferenz“ (WPK)  ist überzeugt: „Wir müssen gemeinnützige Strukturen schaffen, die Journalisten bei den manchmal sehr langen und komplizierten Recherchen helfen.“ Zotta meint damit Einrichtungen wie das Science Media Center (SMC) in Köln, deren Ideengeber und einer der Gesellschafter die WPK ist. Aufgabe des SMC ist es, bei tagesaktuellen Ereignissen und Breaking News, bei denen wissenschaftliche Expertise helfen kann, das Ereignis zu verstehen und einzuordnen,  den Journalisten Experten-Statements anzubieten sowie Kontakte für Fachwissen und aussagewillige Experten für Zitate und Zusatzinformationen zu vermitteln. Und das für Themen wie Medizin und Lebenswissenschaften, Umwelt und Klima, Energie und IT/Technik.

Um schnell reagieren zu können, bauen die zehn Kollegen im SMC Datenbanken mit Wissenschaftskontakten auf und kennen bereits vorhandene Datenbanken, Institutionen, Zahlen- und Faktenquellen. „Über 400 Journalisten haben sich inzwischen beim SMC akkreditiert. Aus dem öffentlich-rechtlichen Bereich sind noch nicht so viele Kollegen dabei“, erläutert SMC-Redaktionsleiter Volker Stollorz.

SMC im Medizinjournalismus

Ein neues Angebot des SMC wird ab Oktober unter Leitung der Medizinjournalistin Meike Hemschemeier die Operations Explorer Datenbank sein – ein Projekt, das u.a. auch der WDR gefördert hat und bereits für Recherchen nutzt. Das SMC kauft beim Statistischen Bundesamt jährlich Rohdaten über die stationäre Krankenversorgung in Deutschland ein – in der Datenbank befinden sich inzwischen 130 Millionen regional codierte Krankenhaus-Diagnosen und Operationen – die dann mit diversen Abfrageroutinen so ausgewertet werden können, dass auffällige regionale Unterschiede in der Gesundheitsversorgung sichtbar werden. Meike Hemschemeier begleitet dieses Projekt bereits seit drei Jahren. Herausgekommen ist dabei ihr Film „Operieren und kassieren – ein Klinikdatenkrimi“, der als ARD Story im Ersten gelaufen ist.

Hilfe beim Datenjournalismus

Nun will Hemschemeier Journalisten dabei helfen, die Datenbank für journalistische Recherchen zu nutzen: „Zum einen werde ich Kollegen in den regionalen Medienhäusern auf auffallende Entwicklungen in ihrer Region hinweisen; zum anderen unterstütze ich bei der Auswertung der Daten.“ Es sei nicht schwierig, die Datenbankoberfläche zu bedienen, aber die richtige Fragestellungen und die Ergebnisse anschließend richtig zu interpretieren. „Das erfordert schon etwas Übung“, so Hemschemeier.
Autorin: Martina Lenk

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