Eine neue Qualität von Unternehmenswissen

Der digitale Wandel ist für manche Kollegin oder Kollegen echt herausfordernd: so viel Hardware, so viel Software – und alle Naselang etwas Neues. Das gilt auch für den weiten Bereich IT. Eigentlich arbeitet jede/r mit IT, braucht IT – aber wie können Grundlagenwissen, Zusammenhänge und Neues für die Praxis interessant und nachhaltig vermittelt werden?

Die Frage haben Diana Dlugosch, NDR Personal- und Führungskräfteentwicklung, und Olaf Schott, Fachgebietsleiter IT in der Medienproduktion der ARD.ZDF medienakademie, beantwortet und ein mehrmoduliges Projekt für langjährige Mitarbeiter/innen in der multimedialen Produktion entwickelt, in dem ein alternatives Lernkonzept umgesetzt worden ist. Und das recht erfolgreich, wie nach dem ersten Piloten klar ist.

Olaf Schott und Diana Dlugosch
Olaf Schott (ARD.ZDF medienakademie, links); Diana Dlugosch (NDR, rechts)

Ein Durchgang von "Fit for IT" ist im NDR gelaufen? Sollen weitere folgen?

Diana Dlugosch: Ja, unbedingt. Wir haben von den Teilnehmenden und ihren Führungskräften ein sehr gutes Feedback erhalten und wollen jetzt zwei bis vier Durchgänge pro Jahr laufen lassen. Wir haben gemeinsam mit den Fachbereichen an Pinnwand und in Excel-Tabellen eine erste Idee entwickelt, IT-Themen und Lernziele definiert, dann das Lernkonzept ausgestaltet. Und jetzt ist es in der Praxis so aufgegangen, wie wir uns das in der Theorie gedacht haben – das ist toll. "Fit for IT" ist deshalb eines meiner Lieblingsprojekte.

Was genau ist denn die Theorie hinter dem Projekt?

Diana Dlugosch: Es ist ein didaktischer Ansatz, der nicht vom Lernstoff her, sondern teilnehmerorientiert geplant wird. Also, was brauchen die Mitarbeitenden, um ihren Job kompetent machen zu können. Das kann bei heterogenen Gruppen ganz unterschiedlich sein. Für das Projekt "Fit for IT" haben die Fachbereiche die relevanten IT-Themen zugeliefert. Anders als in klassischen Seminaren sind diese Themen aber nicht von einer Trainerin/einem Trainer vermittelt worden. Sie sind in Aufgaben und Übungen eingeflossen, welche die Teilnehmenden gemeinsam lösen mussten.

Wir haben einen Tutor eingesetzt, der die Gruppe dabei begleitet hat. An geeigneten Stellen hat er eine fachliche Einführung oder Erklärung gegeben, aber ansonsten die Gruppe im Rahmen einer festgelegten Struktur einfach machen lassen. Den Großteil des Wissens haben die Teilnehmenden nach dem Prinzip des handlungsorientierten Lernens selbst "entdeckt" – mit Neugier, Spaß und Ausprobieren.

Und das hat funktioniert?

Diana Dlugosch: Ja, sehr gut. Denn es gibt einen unschätzbaren weiteren Lerneffekt: Während der Übungssituationen kam heraus, welche Teilnehmerin/welcher Teilnehmer selbst eine Spezialistin/ein Spezialist für bestimmte IT-Themen ist – eine Erkenntnis, die für den Arbeitsalltag ein Gewinn ist, denn so kann ich die Kollegin/den Kollegen anrufen oder anschreiben, wenn ich nicht weiter weiß. Das ist doch toll, wenn man für sich selbst oder bei anderen sieht, was wir gemeinsam als Gruppe alles können.

Ich denke, dass wir einen Erfahrungsschatz im NDR haben, der z. T. gehoben werden muss. Dabei können Lernformen wie diese helfen, die das implizite Wissen sichtbar machen, das sich erst in Situationen zeigt, in denen ich handeln muss. Dieses Wissen zu schätzen und zu nutzen ist wichtig, wenn wir über Wissensmanagement reden.

Was waren die Lernziele von "Fit for IT"?

Olaf Schott: Es sollten allgemein IT-Grundlagen vermittelt werden und wie diese beim NDR zum Einsatz kommen. Teilnehmer waren Kolleginnen und Kollegen aus der Fernsehproduktion – und das querbeet, denn diese Lernform profitiert davon, dass die Gruppe interdisziplinär und heterogen besetzt ist. Es ist ein entdeckendes Lernen und durch die feste Gruppenzusammensetzung wird die bereichsübergreifende Vernetzung gefördert.

Gab es besondere Herausforderungen?

Olaf Schott: Diese Herangehensweise ist für die Teilnehmenden neu und anfangs etwas irritierend. Wir alle haben bestimmte Erwartungen, wenn wir in ein Seminar gehen. Und die werden hier nicht erfüllt. Das verlangt einiges von den Teilnehmenden und eine völlig andere Rolle von dem Tutor. Es ist nicht leicht, das freie Lernkonzept mit der Führung zu verbinden, die Menschen im Lernprozess brauchen. Der Tutor muss immer wieder die richtige Mischung an Input und Leute selbst machen lassen austarieren; die richtige Mischung aus Führung und Laissez faire. Ein ganz wichtiger Aspekt dabei ist der der Motivation: immer wieder rückkoppeln, steuern, nachjustieren und Motivation aus gemeinsam Erreichten ziehen.

Was ist der Benefit dieser Lernform?

Olaf Schott: Wir leben in Zeiten des ständigen Wechsels. Da kann die Wissensvermittlung nicht mehr nur über die Klassenräume passieren, sondern muss selbstorganisierend in den Teams erfolgen. Sie muss Teil der Teamstruktur werden. Das Motto ist: Entdecke, was in Deinen Leuten steckt. Wir heben Schätze, die in normalen Kontexten nicht gehoben werden können, denn wir stellen Dinge auf den Kopf und dadurch können die Menschen und die Teams sich selbst neu entdecken und entfalten. So erzeugen wir eine neue Qualität von Unternehmenswissen.

Diana Dlugosch: Dieses Konzept ist nicht neu, sondern in der Erwachsenenbildung schon seit Jahren etabliert. Nur, wir haben es in den Angeboten von Aus- und Fortbildung verhalten eingesetzt. Dabei kann dieses Konzept, wie wir es jetzt einmal für "Fit for IT" entworfen haben, auf viele Fachthemen bzw. Weiterqualifizierungen übertragen werden und das würde ich mir wünschen.

Olaf Schott: Ja genau. Wir haben ein vergleichbares Konzept im offenen Angebot für unser Pack-Seminar "Einpacken, auspacken, umpacken" umgesetzt. Das sind nochmal ganz andere Anforderungen, aber es hat auch da gut funktioniert.