"Formatradio? Ein Gruselwort!" – Innovative Radionachrichten

Farblos, leblos, emotionslos: Immer mehr Radiosender sehen News als notwendiges Übel. Es gebe zudem einen starken Trend zur De-Professionalisierung, sagt Dietz Schwiesau, Trimedialer Nachrichtenchef bei MDR Sachsen-Anhalt. Die Thesen eines Newsprofis zur Zukunft der Radionachrichten.

Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Interview mit unserem Trainer Dietz Schwiesau, mit freundlicher Genehmigung von persoenlich.com.

Dietz Schwiesau
«Radio gibt es jetzt seit fast 100 Jahren. Wer sich alte Aufnahmen anhört, merkt: Viel hat sich da nicht getan», sagt Nachrichtenprofi Dietz Schwiesau. (Bild: zVg.)

Sie plädieren für innovative Nachrichtenformate. Weshalb braucht es die?

Dietz Schwiesau: Radio gibt es jetzt seit fast 100 Jahren. Wer sich alte Aufnahmen anhört, merkt: Viel hat sich da nicht getan. Sprecher lesen nach wie vor oft schriftliche fixierte Texte vor. Das können inzwischen auch Computer, so wie die App Newsbeat. Den Computern sollten Nachrichtenredakteure nicht kampflos das Feld überlassen. Und sie müssen sich natürlich in einem Umfeld mit vielen neuen Nachrichtenangeboten behaupten.

Sie veröffentlichten 15 Thesen zur Zukunft der Radionachrichten. Eine davon heisst: Glaubwürdig sein. Sind Radios heute zu wenig glaubwürdig?

Dietz Schwiesau: Ja, leider. Das bestätigen alle Umfragen. Bei der Glaubwürdigkeit landet das Radio hinter der Presse und dem Fernsehen. Gerade angesichts der Diskussion über die angebliche Lügenpresse muss das Radio hier deutlich mehr tun.

Und woher kommt das?

Dietz Schwiesau: Viele Nachrichtensendungen sind heute nur noch Informationsschnipsel. Die ganze Welt in anderthalb Minuten. Da haben Nachrichtenredakteure keine Chance, Ereignisse auch mal detaillierter zu beschreiben oder widersprechende Standpunkte darzustellen. Da bleibt viel auf der Strecke, auch die Glaubwürdigkeit.

Glaubwürdigkeit alleine ist aber noch keine Innovation. Hingegen Ihre These, Nachrichten variabel aufzubauen. Wie würde das tönen?

Dietz Schwiesau: Die Hörer würden uns besser verstehen. Nachrichtenleute klammern sich meist starr an die Nachrichtenpyramide, an den heiligen Leadsatz. Dabei zeigen alle Studien: Wir senden meist an den Hörern vorbei. Wer verständliche Nachrichten bieten will, muss sie variabel aufbauen, der kann zum Beispiel auch mal mit einer moderativen Hinleitung, mit einem Hintergrundsatz oder mit einer Frage beginnen.

Die meisten Radios sind sogenannte Formatradios. Passen variabel aufgebaute News überhaupt zu einem Formatradio?

Dietz Schwiesau: Formatradio? Ein Gruselwort! Das klingt steif und starr. Der Hörer will sich im Radio informieren – schnell, kurz, verständlich. Wie die Nachricht aufgebaut ist, interessiert ihn überhaupt nicht. Hauptsache, er hat sie verstanden. Wir sollten auch an die Nachrichten mal etwas frische Luft lassen.

Sie sagen auch, weniger Themen sollen es in den News sein, dafür besser recherchierte aus der Region. Ist das Lokale der Schlüssel zum Erfolg?

Dietz Schwiesau: Bei den Konferenzen und Seminaren zur Zukunft der Radionachrichten beklagen alle Redakteure: Wir jagen jeden Tag, jede Stunde zu viele Säue durchs Dorf. Wir müssen die Zahl der Themen reduzieren. Wir sollten ausführlicher über die Ereignisse berichten, die für unsere Hörer wirklich relevant sind. Das Lokalradio kann da beispielgebend sein.

Das ganze Interview mit unserem Trainer Dietz Schwiesau lesen Sie auf www.persoenlich.com.