Informelles Lernen – ein Beispiel für selbstgesteuerten Austausch in der ARD

Die ARD.ZDF medienakademie gestaltet Lernerlebnisse möglichst nachhaltig: So können in vielen Angebote die Teilnehmer im Anschluss an ein Seminar einen individuellen Feedback-Termin per Videoschalte mit der Trainerin bzw. dem Trainer vereinbaren. (Siehe Hinweise in der Seminarbeschreibung oder Label „Blended Learning“.) Außerdem produzieren wir vermehrt Webinare und Web-Based-Trainings, um ortsunabhängige und selbstgesteuerte Weiterbildung zu unterstützen.

Wie informelles Lernen in der Praxis aussehen kann, erzählt Henry Schulze, Teamleiter beim rbb, HA Mediensysteme und IT (MIT), der seit einem Seminarbesuch 2019 den fortlaufenden Austausch zwischen den Teilnehmenden organisiert, um auch in Zukunft voneinander zu lernen. 

Henry Schulze (rbb). Foto: Reiner Freese
Henry Schulze (rbb). Foto: Reiner Freese

Herr Schulze, Sie waren im Juli 2019 Teilnehmer in einem unserer Seminare und haben danach kurzerhand eine Austauschgruppe organisiert. Wie kam es dazu?

Henry Schulze: Wir waren in dem Kurs einfach eine coole Truppe und haben schon vor Ort sehr vertrauensvoll und in einer guten Atmosphäre gelernt und zusammengearbeitet. Bereits zu diesem Zeitpunkt kam die Idee auf, über die Medienakademie und mit der hervorragenden Trainerin Sabine Bürscher einen Follow-up-Tag zu organisieren. Leider war das aus Termingründen nicht realisierbar. Wir als Gruppe dachten uns: Warum nicht selber machen?! So ging es los; seitdem profitieren wir davon, uns bis heute in dieser Konstellation „treffen“ zu können. 

Sie kommen aus unterschiedlichen Sendern. Welche Wege und Tools nutzen Sie dafür?

Henry Schulze: Wir nehmen uns alle 1-2 Monate genau eine Stunde Zeit, um uns über Microsoft Teams und das ARD Konferenzsystem in einer Videokonferenz zusammen zu schalten. Ich sammle dafür vorab Themen ein, jeder kann sich einbringen – z.B. berichte ich den Anderen von einem Vortrag über „Talente“, den ich gehört habe und was ich daraus für mich mitnehmen konnte. Wir haben in der ARD-ZDF-Box einen Bereich eingerichtet, in dem wir Literatur, Buchtipps und unser gemeinsames Wissen sammeln und für uns nutzbar machen. Mit diesen Tools kommen wir gut zurecht und die Themen gehen uns nicht aus. Wir werden uns in Zukunft regelmäßiger zusammenfinden und unser Wissen teilen.

Und was lernen Sie in der Gruppe voneinander?

Henry Schulze: In dem Seminar ging es um die richtige Kommunikation in Changeprozessen. Wir haben dazu wahnsinnig viel Input bekommen, viel diskutiert und auch Fälle und Situationen aus unserem beruflichen Alltag reflektiert und konstruktiv besprochen. Dabei haben wir ungemein viel gelernt, aber auch die Neugier darauf entwickelt, wie sich unsere Ansätze und Lösungen zurück im Job schlagen werden. Was, wenn eine Idee nicht fruchtet oder sich eine Situation anders darstellt als im Seminar angenommen? In unserer Gruppe kann ich darüber reden, Feedback einholen und einen neuen Ansatz finden. Diese Rückmeldung ist sehr wertvoll und erhöht den Wissenstransfer enorm.

Dazu kommen Dinge, die Veränderung mit sich bringt. Wir kommen von verschiedenen Sendern, stehen aber alle vor den gleichen Herausforderungen: neue Newsrooms, die Arbeitsverdichtung oder Fragen zu Prozessen und Workflows erlebt aktuell jeder von uns. Wir alle beschäftigen uns gerade mit Agilität, mit Kanban und Scrum oder müssen Arbeitsweisen umorganisieren und das unseren Kolleginnen und Kollegen vermitteln. Darin liegt aber auch das Tolle an der ARD. Wir haben einen Raum geschaffen, in dem wir vertrauensvoll über diese Entwicklungen reden und von den persönlichen Erfahrungen und Perspektiven aus anderen Häusern lernen können.

Herr Schulze, vielen Dank für das Gespräch!

Wer das erwähnte Seminar mit Sabine Bürscher selbst einmal erleben möchte, findet alle Informationen zu Inhalt und Terminen auf der Seminarseite „Veränderungen richtig kommunizieren: Wer, was, wann und wie? Gezielte Kommunikationsplanung für Changeprozesse“

Wofür Informelles Lernen steht und welche Formen es neben diesem Beispiel aus der Praxis sonst noch gibt, lesen Sie im Artikel „Informelles Lernen – neue Formen für das Lernen im Job“.

Autor: Sven Dütz