Innovative Lernformen – vom Wissen zur Handlungskompetenz

„Man kann dem Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu finden.“ – dieser Satz, der Galileo Galilei zugeschrieben wird, zeigt: Die Vorstellung eines Lehrers, der einfach nur sein Wissen ins Hirn der Schüler füllt, war schon vor fast 500 Jahren überholt. Heute fordert der digitale Wandel dauerhaftes Lernen. Mehr noch: das Anwenden von Wissen in konkreten Situationen. Doch wie wird aus Wissen Handlungskompetenz?

Gruppe beim gemeinsamen Lernen

Drei Aspekte kennzeichnen neue Lernformate:

1. Perspektivwechsel und Emotion

Nicht immer ist im beruflichen Alltag klar, weshalb mein Gegenüber auf bestimmten Abläufen besteht oder besondere Vorarbeiten benötigt.  Ein Perspektivwechsel hilft, ganzheitlicher zu denken: einfach mal in die Rolle des anderen schlüpfen und die Komfortzone verlassen. Oder mit Menschen anderer Berufsprofile intensiv zusammen arbeiten und so den eigenen Horizont erweitern.

Letzteres können Jounalisten/-innen zum Beispiel in unseren Hackathons mit externen Programmierern, Designerinnen und Gamern in Kreativ-Teams ausprobieren und so gemeinsam Produkte entwickeln. Und in unseren Bootcamps können die Teilnehmenden eigene crossmediale Prototypen direkt an der echten Nutzerzielgruppe testen – oft mit erstaunlichen Ergebnissen und entsprechenden Erfolgserlebnissen.

Auch unsere Planspiele und Live-Simulationen helfen dabei, besser zusammenzuarbeiten. Wenn es zum Beispiel um die eigene Wirkung geht, kann man diese im Video analysieren – oder sich in einem dreistufigen Rollenspiel von einem Seminarschauspieler spiegeln lassen: eine intensive und unvergessliche Erfahrung.

2. Selbstgesteuertes Lernen und kollegiale Beratung

Aus der Bildungswissenschaft kommt die Erkenntnis: Wer nicht intrinsisch motiviert und mit Spaß lernt, lernt nicht wirklich. Umso wichtiger, dass die Teilnehmenden selbst ihren Wissensbedarf ergründen und steuern können. Wenn dann noch hinzukommt, dass die Lernenden sich in Workshop-Situationen gegenseitig weiterhelfen können, sind persönliche Erfolgserlebnisse programmiert.

Ein Inhouse-Angebot, das dieses beliebte Hands-on-Format nutzt, ist "Fit for IT". Die Teilnehmenden lernen über eigene Lösungswege im Team herauszufinden, wie die beste Lösung des Problems wäre – direkt im Angesicht von Kabeln, Schraubendrehern und jeder Menge Hardware.

Das selbstorganisierte, kollaborative Lernen fördern auch unsere digitalen Austauschplattformen. Die Lernenden können ihren individuellen Entwicklungsplan in einem Online-Tool erstellen und sich bis zu sechs Monate mit anderen austauschen. Ähnlich selbstgesteuert verläuft auch der Online-Austausch in unserem 12-wöchingen Blended-Learning-Kurs Programmieren für Journalisten.

3. Vor-Ort-Erfahrungen

Manchmal reicht eine Inspiration, um die schon im Kleinhirn schlummernde Lösung oder persönliche Weiterentwicklung hervorzuholen. Auf der IFA, im Vatikan, bei Infratest dimap, der BBC, der YLE in Helsinki, im Silicon Valley ober bei Berliner Start-Ups – bei unseren Erkundungs- und Hintergrundreisen bekommen die Teilnehmenden spannende Einblicke in die Praxis und die Chance, sich direkt mit den Machern/-innen vor Ort auszutauschen. Erfahrene Trainer/-innen helfen beim Erfahrungstransfer.

Dies sind nur drei Aspekte für neue Lernformate. Die nächsten entwickeln wir bereits, denn eine Frage wird dauerhaft bleiben: Wie bildet man Menschen für Tätigkeiten weiter, die noch nicht existieren und für Techniken, die erst noch entwickelt werden?

Autorin: Simone Stoffers