IP in der Medienproduktion

"Die Zukunft spricht IP“. Eine abstrakte Aussage mit weitreichenden Folgen. Die IP-basierte Medienproduktion eröffnet faszinierende neue Möglichkeiten. Doch: während filebasierte Workflows bereits erfolgreich etabliert sind, stellen die Echtzeitanforderungen an nicht deterministische Netze sowohl Hersteller als auch Anwender vor neue Aufgaben.

Mann mit Tablet in Serverraum
Bild: @istockphoto.com/baranozdemir

IP-basierte Medienproduktion – Die Herausforderungen

Standardaufgaben, wie die physikalische Übertragung und das Routing von Signalen werden von Standardkomponenten übertragen. Komplexer sind aber das Einrichten und das Management der Systeme. Die Koppelung von internen Netzen und Internet erzeugt sicherheitstechnischen Aufwand um die eigene Infrastruktur vor Bedrohungen von außen zu schützen. Dafür ist Qualifizierung nötig.

Warum IP-basiert? – Die Möglichkeiten

Bessere Ressourcennutzung

Audio-, Video- und Zusatzdaten sind in der analogen Studioproduktion lange Zeit getrennte Wege mit eigenen Infrastrukturen gegangen. Die Digitalisierung brachte schon den Fortschritt der Integration aller drei Dienste in ein Signal. Das vereinfacht die Signalführung in den Häusern enorm. Parallel dazu wurden bereits Netzwerke installiert, die die Kommunikation (Internet, E-Mail, Telefon) und später auch Steuerungsaufgaben übernehmen können.

Die Codierung von Quellsignalen in Datenpakete bietet neben einer Datenreduzierung auch die Möglichkeit, diese über Standardnetzwerke zu übertragen. Anfangs aus Sicherheitsgründen physikalisch getrennte Netze können durch Einrichtung von VLANs (virtual local area networks) auch gemeinsam im selben Netz betrieben werden. Damit sind alle Dienste in derselben Infrastruktur verfügbar.

Mehr Flexibilität

In IT-Netzen werden Dienste nicht mehr von proprietären Gerätschaften ausgeführt, sondern können auf mehrere Plattformen (Server) verteilt werden, die selbständig Redundanzen einrichten. Dieses "Software Defined Networking“ (SDN) entlastet den Anwender und den Support. So können defekte Einzelkomponenten ohne großen Aufwand ausgetauscht, Upgrades durchgeführt und Ressourcen erweitert werden.

Neue Workflows

Die integrierten Netze ermöglichen neue Workflows. Eine gemeinsame Medienproduktion kann auch über vernetzte Teams weltweit erfolgen. Wenn Steuerfunktionen aus der Ferne ausgelöst werden können, muss das Personal nicht mehr vor Ort sein: die "Remote Production“ wird Realität.

Neue Systemkonzepte und -strukturen

Mit dem Übergang zu Standard-IT-Komponenten können auch moderne Systemkonzepte wie SOA (Service Oriented Architecture) und IaaS / PaaS / SaaS (Infrastructure / Platform / Software as a Service) gewinnbringend in der Medienproduktion eingesetzt werden. Um die 24/7-Verfügbarkeit und die nötige Performanz sicherzustellen, muss dies mit leistungsfähigen Management-Prozessen und SLAs unterlegt werden. Nur dann kann die Transformation gelingen, ohne dass die Anwender frustriert "das alte System“ wiederhaben wollen.

Kostenreduktion

Was bisher proprietäre Gerätschaften benötigte, ist heute auf einer gemeinsamen Plattform zu betreiben. Wenn es die Leistungsfähigkeit erlaubt, können in der Netzinfrastruktur Standard-IT-Komponenten eingesetzt werden. Dies erleichtert die Beschaffung und den Support. Die Folge sind Preisvorteile durch hohe Stückzahlen bei Standardkomponenten und mögliche Personaleinsparungen in den Serviceabteilungen.

Das Angebot der ARD.ZDF medienakademie

Sowohl für die Einrichtung und den Support IP-basierter Medienproduktion als auch für das Programm bietet Ihnen die ARD.ZDF medienakademie ein umfangreiches Seminarangebot.

Die Themen reichen von der Quelle über die Studioproduktion bis zur Programmverteilung:

  • Die Programmkontribution wird von den modernen Mobilfunknetzen (LTE, 5G) profitieren, die immer besser ausgebaut werden.
  • In der Studioproduktion verspricht der Einsatz von kostengünstigen Standard-Netzwerkkomponenten ein hohes Einsparpotential.
  • Der Programmaustausch setzt schon seit einigen Jahren erfolgreich auf IP-basierte Technologien und
  • in der Programmverbreitung sind nahezu alle Hörfunk- und Fernsehangebote bereits über Internet zu empfangen.

Mit Seminaren und Sonderveranstaltungen zu den technischen Hintergründen IP-basierter Medienproduktion, mit Informationen über moderne Workflows und den Aussichten auf die neuen Produktionsweisen ebnet die Medienakademie den Weg für Ihre erfolgreiche Zukunft.

Autor: Martin Kaiser