Learning Journey ins Silicon Valley

Jede Menge Start-Ups, nerdige Genies und Milliardäre, die mal eben die Welt verändern wollen – alle treffen im digitalen Bullerbü-Tal aufeinander, wo es, zumindest in den Werbewelten von Google, Apple und Facebook, immer divers und tolerant zugeht.

Wie arbeiten die Menschen im Valley, und wird von dort wirklich die Welt verändert? Fragen an Christian Radler, der für die ARD.ZDF medienakademie eine Learning Journey ins Silicon Valley begleitet.

Apple Zentrale und Christian Radler
Christian Radler begleitet die Learning Journey ins Silicon Valley

Das Valley beschert uns AirBnB, Uber und Reisen zum Mars – aber für die großen Themen wie Klimawandel oder soziale Gerechtigkeit liefern die Tech-Konzerne nur bedingt Antworten.

Christian Radler: Da kommt es sicher auf die Perspektive an. Je nachdem ist ja eine Besiedlung des Mars’ auch eine klare Antwort auf Klimawandel und soziale Fragen. Aber eben nicht für die Bevölkerung dieses Planeten sondern erst mal nur für eine kleine technologische Avantgarde. Uber bietet eine Alternative zum eigenen Auto und AirBnB zum Hotel. Beide wären nicht so erfolgreich, wenn sie nicht ein Bedürfnis befriedigen oder ein Problem lösen würden. Im Silicon Valley gibt es neben den großen ja auch zahllose kleine und mittlere Firmen, die neue Technologien entwickeln. Dabei kommt dann am Ende vielleicht eine Batterie für Elektroautos heraus oder ein neues Do-it-yourself-Kit für genetische Reprogrammierung. Wir wollen das auf der Reise aber nicht ungebremst abfeiern, deshalb sind wir auch bei der Electronic Frontier Foundation (EFF) angemeldet, die sich unter anderem mit digitalen Bürgerrechten und Datenschutz beschäftigt.

Was bewegt die Managerinnen, Risikokapitalgeber, Coderinnen und Journalisten vor Ort?

Christian Radler: Woran sicher kein Mangel besteht, sind Ideen und Geld. Was knapper geworden ist, sind allerdings Programmierer. Erst recht, seit sich die künstliche Intelligenz zum dominierenden Zukunftsthema entwickelt hat. Aktuell kauft die IT-Industrie Grundlagenforscher an den führenden Universitäten ein. Zu Traumgehältern und übrigens nicht nur im Silicon Valley. Aber gerade dort sind die Traumgehälter dringend notwendig: Die Lebenshaltungskosten sind durch den anhaltenden Boom förmlich explodiert, vor allem die  Mieten und Hauspreise. Junge Entwickler leben im Schlafsaal oder bauen sich Lastwagen zu Wohnmobilen um. Gleichzeitig wird offenbar, dass viele der neuen Technologien Frauen und Minderheiten diskriminieren, es bei der Entwicklung also an Diversity mangelte. Von der latenten Manipulationsgefahr durch soziale Plattformen, Stichwort Cambridge Analytica, ganz zu schweigen.

Wer schon einmal Google oder Facebook in Deutschland besucht hat, weiß, dass die Firmensprecher gut trainiert sind im Umgang mit kritischen Fragen – Was erwartet die Teilnehmenden auf der Reise?

Christian Radler: Etwas, was wir normalerweise in Deutschland nicht haben: direkten Kontakt zu den Menschen, die sich etwa Google News ausgedacht haben oder für Facebook an der nächsten Phase von Virtual und Augmented Reality arbeiten. Wir kommen also viel unmittelbarer an die Quellen ran. Aktuell haben wir übrigens noch eine Anfrage bei Netflix laufen, die am Südrand des Valleys ihren Hauptsitz haben.

Werden nur die großen Player besucht, oder gibt es auch Überraschungen?

Christian Radler: Soweit man das planen kann, rechne ich fest mit Überraschungen. Wir sind unter anderem bei einem der wichtigsten Startup-Inkubatoren zu Gast. Inkubator heißt: eine Art Brutschrank, in dem in kurzer Zeit aus einer guten Idee und einem Prototypen marktreifes Produkt werden kann. Ich bin schon gespannt, was aktuell dort ausgebrütet wird.