Mit Qualität gegen Lügen und Hass im Netz

„Journalismus kann nur dann erfolgreich sein, wenn er dauerhaft besser ist als das, was seine „lautstarken Kritiker“ zu bieten haben“, mit diesem Statement eröffnete Andreas-Peter Weber, Programmdirektor des Deutschlandradios, das neunte Herbstforum der Initiative Qualität (IQ). Branchenexperten diskutierten im Berliner Funkhaus darüber, was Medienschaffende gegen Fake News, Vertrauensverlust und zunehmend hasserfüllte Meinungsäußerungen tun können.

Podium auf dem IQ Herbstforum 2017
Podium auf dem IQ Herbstforum 2017

Aufklärungsarbeit gegen Desinformation

„Das Misstrauen gegenüber den Medien habe durchaus zugenommen“, sagte Tanjev Schultz, Journalistikprofessor der Johannes Gutenberg Universität Mainz. Dies sei in Form von Skepsis, Gleichgültigkeit oder Zynismus beim Publikum erkennbar. Dennoch werde in der Debatte oft zu pauschal und undifferenziert geurteilt. Seine Forderung: Die Medien sollten nicht den Zynikern hinterherlaufen, sondern versuchen, die Skeptiker zurückzugewinnen.

Vom Umgang mit Fake News oder gefälschten Nachrichten berichteten Rike Woelk, stellvertretende Redaktionsleiterin von tagesschau.de für das ARD-Portal Faktenfinder, und Jutta Kramm als Leiterin des Fact-Checking-Ressorts beim Recherchezentrum Correct!v. Beide waren sich einig, dass es nur selten um komplett falsche Nachrichten gehe, die verbreitet würden, sondern um eine Verfälschung von Informationen, die aus dem Zusammenhang gerissen oder in einen falschen Kontext gestellt werden.

Desinformation sei deshalb auch der bessere Begriff“, sagte Stephan Ruß-Mohl, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Lugano, der von den klassischen Medien forderte, mehr über ihre eigene Arbeitsweise und über die Gefahren von Social Media aufzuklären. Der Erfolg dieser Aufklärungsarbeit lässt sich dennoch nur schwer messen.

Digital Tribes und Filterblasen

Der ZDF-Journalist Mario Sixtus zeigte sich sogar skeptisch, da Wahrheiten in Zeiten von „Digital Tribes“ gar nicht auf Fakten, sondern vielmehr auf Weltanschauungen beruhten. Die Menschen seien auf Bestätigungssuche im Netz, und das funktioniere ausgesprochen gut. Die sogenannten Filterblasen werden also vom Filterblasennutzer selbst gebaut.

„Es wäre allerdings eine Illusion, zu glauben, dass alle anderen in einer Filterblase stecken, nur wir selbst nicht“, gab der Medienfachjournalist Stefan Niggemeier (Bildblog.de und uebermedien.de) zu bedenken. Fakten zu checken und Fake News zu widerlegen, reiche allein nicht aus. Es ginge darum, einander zuzuhören. Verification and Social Listening!

Umgang mit Hassrede

Ähnlich sieht das Prof. Andreas Vogel, der sich für die Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem Thema Journalismus und Online-Kommentare befasst und die Notwendigkeit sieht, dass Medien wieder eine Beziehung zu den Menschen aufbauen. In vielen Redaktionen fehle es an Erkenntnissen über die Lebenswelten großer Bevölkerungsteile. Die Auseinandersetzung mit User-Kommentaren böte daher trotz der kritisierten Hass-Kampagnen grundsätzlich eine große Chance.

Ungeachtet der Notwendigkeit, mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen, werden Journalistinnen und Journalisten aber immer häufiger nicht nur beleidigt, sondern sogar bedroht.

Die journalistische Praxis reflektieren

Eines hat die IQ-Konferenz deutlich gezeigt – Journalisten sollten sich regelmäßig fragen: Haben wir das Beste gegeben? War der Beitrag sorgfältig recherchiert, und sind alle Fakten gegengecheckt? Sind alle Seiten zu Wort gekommen? Und wie gehen wir auf unser Publikum zu? Grundregeln und Fragen eines seriösen und zukunftsfähigen Journalismus, mit denen sich zahlreiche Seminare der ARD.ZDF medienakademie befassen und Antworten geben.  

Autor: Matthias Harder

Die Dokumentation der IQ-Veranstaltung vom 16.10.2017 können Sie als PDF-Datei herunterladen.