„So viel Wissen über unser Nichtwissen hatten wir noch nie“

Wie gut ist der "Corona-Journalismus“? Dieser Frage ging am Mittwoch (6.5.2020) die Sendung SWR Forum nach. Zu Gast waren Dr. Kai Gniffke, Intendant des SWR, Prof. Dr. Klaus Meier, Lehrstuhl für Journalistik, Katholische Universität Eichstätt und Prof. Dr. Bernhard Pörksen, Medienwissenschaftler, Universität Tübingen.

Computer mit Corona Statistik und stilisierten Viren
Bild ©Stanisic Vladimir /stock.adobe.com

Meier und Pörksen waren sich einig: Es gab einige Punkte in den vergangenen Wochen der Berichterstattung während der Corona-Krise, in denen Journalisten distanzierter und offener hätten berichten müssen. Virologen hätten zu Beginn die Berichterstattung dominiert, so Meier, und es habe nur wenige kritische Fragen gegeben.

Gniffke hielt dem entgegen, dass die Journalistinnen und Journalisten sauber gearbeitet hätten, sie aber überrollt wurden von vielfältigen virologischen Meinungen und vielfältigen wirtschaftlichen Entwicklungen: „Am Anfang waren wir auch damit beschäftigt, uns ein Fundament an Know-how zuzulegen.“

Dr. Kai Gniffke
Dr. Kai Gniffke. Bild: SWR/Paul Gärtner

Wie kann der Journalismus Orientierung geben?

Pörksen teilt die Sicht Meiers, dass sich der Journalismus erst wieder ab Mitte April wieder gefangen hätte und Raum gab für kritische Fragen und Fragen zur Zukunftsperspektive. Gleichzeitig relativiert Pörksen auch: „Wir erleben eine  Angstrevolution im globalen Maßstab, verbunden mit der möglichen persönlichen Betroffenheit – so viel Wissen über unser Nichtwissen hatten wir noch nie, hat Jürgen Habermas kürzlich formuliert“. 

Es gehe auch nicht um ein Medienbashing sondern eine „balancierte Kritik des Journalismus“, erläutert Pörksen. „Aus meiner Sicht ist der Journalismus in der Gesamtbilanz außerordentlich reflektiert vorgegangen“. Aber der Journalismus befinde sich in dem Dilemma, etwas zu erklären, was noch nicht wirklich zu erklären sei – von niemanden.

Diese Frage griff Moderator Matthias Heger auf: Wie soll der Journalismus Orientierung geben, wenn sich schon die Wissenschaft uneinig ist? 

Die Antwort darauf wird an dieser Stelle nicht verraten. Hören Sie das ganze Interview (45 Minuten):

Autorin: Martina Lenk