Software-Update fürs Gehirn – warum Mentaltraining funktioniert 

Bei Mentaltraining denken wir an Spitzensportler, Topmanagerinnen und Weltstars. Dabei schießen uns allen jeden Tag gut 60.000 Gedanken durch den Kopf. Warum jede*r von Mentaltraining profitieren kann und wie es funktioniert erklärt die Journalistin und Mentaltrainerin Marion Fuchs.

Ketten sprengen
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Frau Fuchs, was verstehen Sie unter Mentaltraining?

Kurz gesagt: unsere mentale Power stärken und für uns einsetzen. Mentaltraining kommt aus dem Hochleistungssport und nutzt die Kraft unseres Geistes – sozusagen als Booster. Erfolgreiche Skisportler beispielsweise visualisieren eine Abfahrt immer wieder, bevor sie diese tatsächlich nehmen. Solche effektiven Tools lassen sich auf unseren Berufsalltag übertragen: Mit Mentaltraining können Sie herausfordernde Gespräche oder Situationen spielerisch trainieren, Ziele visualisieren und diese dann einfacher umsetzen. 

Mentaltraining hilft, negative Denk- und Stressmuster zu erkennen und aufzulösen und so etwas für Ihre Gesundheit, Ihre Gelassenheit und Ihr Selbstbewusstsein zu tun. Wie sehr unser Geist unseren Körper beeinflusst, haben wir alle schon erlebt, wenn wir uns eine stressige Situation in allen Farben ausmalen und dann die halbe Nacht nicht schlafen können. Unsere Vorstellungskraft hat enorme Power, und unser Gehirn mixt je nach Denkrichtung einen schönen oder stressigen Hormoncocktail für uns zusammen. 

Warum funktioniert Mentaltraining eigentlich?

Es funktioniert, weil es ein Software-Update fürs Gehirn ist. Unsere Denkmuster sind durch unsere Erfahrungen entstanden. Oft nehmen wir unsere Gedanken als Fakten wahr und hinterfragen sie gar nicht mehr. Vor allem negative Gedanken lassen uns an uns selbst zweifeln, blockieren und ziehen unnötig Energie, die wir viel besser für das Erreichen unserer Ziele einsetzen könnten. 

Im Mentaltraining spüren wir diese Gedanken auf und können sie so verändern, indem wir spielerisch neue Denkweisen und Lösungsansätze, z.B. durch Visualisieren, trainieren. Visualisieren funktioniert wie eine Art Wunschfilm, den wir im Kopfkino starten. Damit lassen sich Ressourcen aktiveren, die uns im echten Leben bei der Umsetzung helfen und das Selbstbewusstsein stärken. Und das mit jeder Menge Spaß und bequem vom Sofa aus.

Foto Marion Fuchs, Bild: Corinna Theil
Journalistin und Mentaltrainerin Marion Fuchs, Bild: Corinna Theil

Wie kann uns das im Berufsleben helfen?

Mit Mentaltraining lassen sich nachweislich Hirnstrukturen verändern, Stresslevel senken, Herausforderungen leichter und entspannter meistern und neue Energien mobilisieren. Im Kopfkino können wir berufliche Pläne, schwierige Gespräche, Präsentationen, Moderationen … üben und sehen so klarer, was wir für das Erreichen unserer Ziele brauchen, wo wir uns bislang selbst blockiert haben, und wie wir diese Blockaden auflösen. Dieses Potenzial tragen wir schon in uns, wir müssen es nur aktivieren.

Über die Gedanken das eigene Verhalten verändern zu lernen, das klingt nach einem langfristigen Prozess. Unterstützen Sie dieses Vorhaben über Ihre Workshops hinaus?

Auf jeden Fall! Damit die Umsetzung leichter fällt, weil ich selbst weiß, dass Dranbleiben im hektischen Alltag oft eine kleine Challenge ist. Gemeinsam geht's viel besser – deshalb habe ich für den Workshop ein Blended-Learning-Konzept entwickelt: Neben den Praxistagen, an denen wir uns persönlich kennenlernen und gemeinsam üben, unterstütze ich die Teilnehmer*innen danach vier Wochen lang mit kleinen Übungen per E-Mail. Außerdem gibt es einen abschließenden Termin für ein Online-Coaching, bei dem wir uns über Erfahrungen austauschen, Fragen klären und noch einmal gemeinsam Lösungen finden können.