Streaming in Deutschland auf Erfolgskurs

Wer hätte das vor ein paar Jahren schon gedacht? Einer der renommiertesten TV-Preise Deutschlands geht erstmals nicht an einen Fernsehsender, sondern an einen Streaming-Dienst …

Junger Mann streamt auf Notebook
Streaming: Film und Serien-Unterhaltung übers Internet © daviles / fotolia.com

Die Netflix-Mysteryserie „Dark“ zählt zu den Preisträgern des diesjährigen Grimme-Preises in der Kategorie Fiktion. Der Serientrend aus den USA ist längst in Deutschland angekommen. Eine spannende Dramaturgie, die Roman und Theater zum Vorbild hat; anspruchsvolle, horizontal erzählte Geschichten und opulente Bilder machen es möglich: Quality-TV jenseits des linearen Fernsehens.

Das Streaming ist inhaltlich erwachsen geworden. Und wirtschaftlich rechnet es sich inzwischen offenbar auch. Dies ergab eine Online-Umfrage des Marktforschungsinstituts Goldmedia. Kassierten die Video-on-Demand-Anbieter im Jahr 2015 noch rund 423 Mio. Euro, könnten sie 2021 mit rund 990 Mio. Euro knapp an der Milliardengrenze kratzen. Wohlgemerkt dies sind nur die Schätzungen für Deutschland.

Globales Publikum im Blick

Weltweit sieht es noch einmal ganz anders aus. Nach jüngsten Schätzungen schauen mehr als 100 Millionen Kundenhaushalte jeden Tag 125 Millionen Stunden Video-on-Demand bei verschiedenen Streamingdiensten. Kein Wunder also, dass diese Milliarden Dollar in Inhalte stecken. Millionen davon fließen in exklusive Produktionen, die es nur auf der eigenen Plattform zu sehen gibt. Traditionelle, national agierende Fernsehsender tun sich bei dieser Konkurrenz im Bereich der Unterhaltung immer schwerer – finanziell und inhaltlich.

Kooperationen und Serien Made in Germany

Um gegen die übermächtig erscheinende, internationale Serienkonkurrenz bestehen zu können, haben sich Private und Öffentlich-Rechtliche zusammengetan. X Filme Creative Pool, Sky, ARD, ARD Degeto und Beta Film konnten mit der Serie „Babylon Berlin“ ebenfalls bereits zahlreiche Filmpreise abräumen.

Die Serie ist in vielerlei Hinsicht exzeptionell. Zum einen ist sie die bislang teuerste deutsche Serienproduktion; zum anderen setzt ihre Vermarktung auch gezielt auf den (internationalen) Streamingmarkt. Für die USA hat sich Netflix bereits die Rechte gesichert. Im deutschen Free TV (vorher bereits bei Sky) wird Babylon Berlin vermutlich zunächst in der ARD Mediathek abrufbar sein – noch vor der linearen Ausstrahlung.

TV-Unterhaltung wird nonlinear

Auch andere deutsche Serien folgen dem nonlinearen Gedanken. So lief „Bad Banks“ bei Arte und ZDF zunächst auch in der Mediathek. Erst danach bekam die Serie über die skrupellose Welt der Investment-Banker ihren linearen Sendeplatz.

Die ersten Schritte sind erfolgreich gemacht. Nun gilt es, Geschwindigkeit aufzunehmen – und das können nur fitte Leute mit einer Idee und der Kenntnis der neuen Arbeitsweisen.

Autor: Prof. Dr. Andreas Elter