UHD mit Royalfaktor

Bei der ZDFzeit-Dokumentation „Die Wurzeln der Windsors“ wurde mit neuer Kameraausrüstung gedreht. Lesen Sie hier Auszüge des Artikels von Kameramann Željko Pehar (ZDF) aus der September-Ausgabe des ZDF-Magazins "Kontakt".
Tom Stockinger nutzt den erweiterten Spielraum der Arri Trinity. Foto: ZDF
Tom Stockinger nutzt den erweiterten Spielraum der Arri Trinity. Foto: ZDF

Andere Impulse, frische Ästhetik, kreative Ansätze – immer wieder suchen wir neue Möglichkeiten, wie wir die Umsetzung von Inhalten weiterentwickeln können. Beeinflusst von Kino und Streamingportalen werden Zuschauer anspruchsvoller; neue Seherwartungen erfordern eine andere Realisierung der Inhalte fürs Fernsehen.

Dreharbeiten mit Sony Venice und Arri Trinity

Deswegen werden unser Kameralager und die Postproduktion kontinuierlich mit innovativer Technik ausgestattet. Die jüngste Errungenschaft: eine Sony Venice, die wir seit dem Frühjahr im Haus haben und mit der jetzt das erste Projekt abgeschlossen wurde. Eine Kamera, mit der Regisseur James Cameron den zweiten Teil von „Avatar“ abgedreht hat, die erweiterte Einstellungen und Gestaltungsmöglichkeiten zulässt.

Eigentlich für eine „Terra X“-Produktion eingekauft, ermöglichten uns die Kolleginnen und Kollegen die Nutzung vorab – für die ZDFzeit Dokumentation „Die Wurzeln der Windsors“ der Autoren Ulrike Grunewald und Karlo Malmedie, die den Ursprüngen des Hauses in Deutschland und England nachspürt (Ausstrahlung für Herbst geplant). Dabei kam auch die neue Arri Trinity, ein Stabilisierungssystem für Steadicams zum Einsatz, zu diesem Zeitpunkt eines von gerade mal fünf in ganz Deutschland.

Nativ in UHD produzieren

Der Royalfaktor sorgte für großes mediales Interesse, auch im Ausland. Es war deshalb klar, dass wir für eine mögliche internationale Wiederverwertung nativ in UHD produzieren, mit der Möglichkeit einer HDR-Fassung. Die Erfahrung und das Know-how waren da: Im vergangenen Jahr konnten wir bereits den Dreiteiler „Deutschland XXL“ für die ZDF.reportage in UHD und HDR als Eigenproduktion realisieren. Nötige Workflows bei Kamera und Schnitt waren dadurch etabliert. 

Vieles haben wir klassisch mit zwei Kameras auflösen können, aber schon bei einer Kutschfahrt erwies sich ein Feature der Sony Venice als sehr nützlich: Der Sensorblock lässt sich vom großen Kamerabody abschrauben und mit aufgestecktem Monitor wie ein Fotoapparat halten. Damit wird weiterhin in hoher Qualität aufgezeichnet, und man muss in der sehr beengten Kutsche nicht auf kleinere und weniger leistungsfähige Kameras zurückgreifen.

Kameramann Željko Pehar filmt in der engen Kutsche nur mit dem Sensorblock der Sony Venice. Foto: ZDF
Kameramann Željko Pehar filmt in der engen Kutsche nur mit dem Sensorblock der Sony Venice. Foto: ZDF

Problemloses Umschalten von Super-35-Format auf Full-Frame

Zur Abgrenzung zwischen den reportagigen und szenischen Drehteilen war der Einsatz eines weiteren besonderen Features der Venice sinnvoll: Das Umschalten des Sensors zwischen dem herkömmlichen Super-35-Format und dem Full-Frame-Format. Bisher haben wir höherwertige Dokumentationen und Reportagen in Super-35 mit Arri Amira oder Panasonic Varicam gedreht, nun stehen uns mit der Sony Venice und einem kompletten Satz an Full-Frame-Objektiven weitere Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung, wie sie auch im Spielfilmbereich zum Einsatz kommen – „Avatar“ lässt grüßen.

Für den szenischen Block, in dem wir einige Abschnitte aus dem Leben von Luise mit Schauspielern nachgestellt haben, durften wir auch im Schloss Friedenstein in Gotha drehen. Aufgrund der Denkmalschutzbestimmungen des Schlosses konnten wir keinen Dolly mit Schiene, geschweige denn einen Kran einsetzen. Dafür kam unsere Arri Trinity zum Einsatz: ein Gimbal, der auf die Steadicam aufgesetzt wird und den Wirkungsbereich in alle Richtungen enorm vergrößert. Ein wunderbares Gestaltungsmittel, dass auf engstem Raum viele Bewegungen erlaubt, die vorher so nicht möglich waren. So waren unserem kreativen Spiel keine Grenzen gesetzt.

Autor: Željko Pehar (ZDF)